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Die Goldene Stunde: Fed-Chef Kevin Warsh bremst Goldpreis-Anstieg aus

Verdoppelte Rückkäufe von US-Staatsanleihen zur Schuldenlastsenkung erhöhten die Goldnachfrage. Aussichten auf steigende Zinsen setzten einen Gegentrend.

2. September 2026

Das Bruttoinlandsprodukt in der Schweiz und in Europa ist auf Wachstumskurs. Auch die US-Wirtschaft brummt. Die von US-Finanzminister Scott Bessent verdoppelten Rückkäufe von Staatsanleihen sollten die Renditen und Schuldenlast senken, verstärkten aber die Nachfrage nach Gold. Der Goldpreis stieg nach Mitte August auf über 4'500 US-Dollar pro Unze. Aussichten auf steigende Zinsen durch Fed-Chef Kevin Warsh setzten danach wieder einen Gegentrend. US-Präsident Trump wünscht eine Zinssenkung.

Die Schweizer Wirtschaft zeigt sich einmal mehr erstaunlich robust. Im ersten Quartal 2026 war das sporteventbereinigte BIP um 0,5 Prozent gewachsen, nach einem Plus von 0,2 Prozent im Schlussquartal 2025. Auch im weiteren Verlauf zeigte sich die Konjunktur widerstandsfähig. Für das zweite Quartal 2026 meldete das Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) in einer ersten Schnellschätzung ein kräftiges Wachstum der Schweizer Wirtschaft. Das reale Bruttoinlandsprodukt nahm demnach um 1,5 Prozent zu. Wesentliche Impulse kamen erneut aus der Industrie. Das verarbeitende Gewerbe legte insgesamt zu. Dagegen entwickelte sich die chemisch-pharmazeutische Industrie zunächst rückläufig. Im zweiten Quartal 2026 trug nach Einschätzung des SECO jedoch auch diese Branche wieder spürbar zum Wachstum bei. Daneben zeigte sich auch der Dienstleistungssektor stärker.

Verschiedene Pillen als Symbol für die Pharmaindustrie.

Nach einem zunächst schwächeren ersten Quartal legt die Schweizer Pharmabranche wieder zu. 

Positive Signale kommen zudem auch von der Konjunkturforschung: Das KOF-Konjunkturbarometer der ETH Zürich deutet in seiner jüngsten Einschätzung weiterhin auf günstige Aussichten für die Schweizer Wirtschaft hin. Nachdem der Indikator in den vergangenen Monaten bereits schrittweise gestiegen war, lag er im August deutlich über seinem mittelfristigen Durchschnitt. Die Aussichten für die Schweizer Konjunktur seien weiterhin positiv, heisst es im Bericht. Als wesentliche Gründe für den Anstieg nennt die ETH Zürich Verbesserungen bei den Indikatoren des verarbeitenden Gewerbes, der Dienstleistungen und der Auslandsnachfrage. Leicht schwächer entwickelte sich demnach lediglich die Konsumnachfrage.

In der Schweiz sind die Konsumentenpreise im Juli 2026 gegenüber Juli 2025 um 0,4 Prozent gestiegen. Gegenüber Juni 2026 wurde ein leichter Rückgang von 0,1 Prozent verzeichnet. Dieser Monatsrückgang ist vor allem auf niedrigere Preise im Luftverkehr sowie bei Diesel und Benzin zurückzuführen.

Wirtschaft in Europa nimmt wieder mehr Fahrt auf

Das saisonbereinigte Bruttoinlandsprodukt stieg im Euro-Raum und in der EU im zweiten Quartal um 0,4 Prozent bzw. 0,5 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Im Vergleich zum gleichen Quartal des Vorjahres stieg das saisonbereinigte BIP im Euroraum um 1 Prozent und in der EU um 1,2 Prozent, nach einem Anstieg von 0,5 Prozent bzw. 0,8 Prozent im vorangegangenen Quartal. Darüber hinaus stieg die Zahl der Erwerbstätigen im zweiten Quartal sowohl im Euro-Raum als auch in der EU um 0,1 Prozent gegenüber dem Vorquartal.

Das Bruttoinlandsprodukt der EU stieg im zweiten Quartal um 1,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Die Inflation in der Europäischen Union stieg im Juli 2026 auf 3,0 Prozent nach 2,9 Prozent im Juni. Im Vorjahr hatte der Anstieg noch 2,4 Prozent betragen. Im Euro-Raum stieg die Inflationsrate im Juli auf 2,9 Prozent, nach 2,8 Prozent im Juni. Vor einem Jahr hatte sie bei 2,0 Prozent gelegen.

Die Inflation in der EU ist wieder im Steigen begriffen und entfernst sich vom 2-Prozent-Ziel.

Die Inflation in der EU ist wieder im Steigen begriffen und entfernt sich vom 2-Prozent-Ziel.

Die niedrigste Inflationsrate verzeichnete Schweden mit 0,3 Prozent. Danach folgten Tschechien mit 1,3 Prozent, Dänemark und Ungarn mit jeweils 1,6 Prozent, Island mit 2,0 Prozent, Malta mit 2,1 Prozent sowie Frankreich mit 2,4 Prozent. Den höchsten Wert meldete Rumänien mit 8,2 Prozent. Nach Ansicht eines EZB-Direktoriumsmitglieds würde mit dem aktuellen Zinsniveau die Inflation mittelfristig kaum zum Zielwert zurückkehren, eine weitere Straffung sei nötig.

USA nimmt im Krieg gegen den Iran höhere Energiepreise in Kauf

Die US-Wirtschaft ist im zweiten Quartal 2026 um 1,5 Prozent gegenüber dem zweiten Quartal 2025 gewachsen. Im ersten Quartal hatte das Wachstum 2,1 Prozent betragen. Im zweiten Quartal haben vor allem die Konsumausgaben, Investitionen und Exporte zum Wachstum beigetragen. Die Staatsausgaben sind geringfügig zurückgegangen. Die Importe sind im zweiten Quartal stärker gewachsen (+1,5%) als im ersten. Sie werden bei der Berechnung des BIP abgezogen.

Das Wirtschaftswachstum in den USA betrug im zweiten Quartal 1,5 Prozent im Vergleich zu 2025.

Die Arbeitslosenquote blieb im Juli im Wesentlichen stabil. Die Verbraucherpreise sind im Jahresvergleich um 3,4 Prozent gestiegen. Die Inflation in den Vereinigten Staaten stieg im Juli um 0,1 Prozent (nach minus 0,4% im Juni). Im Jahresvergleich ist dies ein Anstieg um 3,4 Prozent nach 3,5 Prozent im Juni. Im Mai hatte der Anstieg noch 4,2 Prozent betragen, hauptsächlich getrieben von den höheren Energiepreisen.

Die USA und der Rest der Welt leiden angesichts des Iran-Krieges unter steigenden Benzinpreisen.

Die USA und der Rest der Welt leiden angesichts des Iran-Krieges unter steigenden Benzinpreisen.

Der Ölpreis und die Passierbarkeit der Strasse von Hormus bleiben im Fokus des Weltgeschehens. Mitte August erklärte Trump, die USA müssten gegebenenfalls höhere Benzinpreise akzeptieren und drohte im Krieg gegen den Iran mit einer weiteren Eskalation. Am 31. August kam es dann tatsächlich zu einer neuen militärischen Offensive. Die USA griffen iranische Raketenstellungen auf Larak Island an. Der Iran reagierte mit Angriffen auf US-Stützpunkte in Jordanien. Trump drohte daraufhin mit weiteren Schlägen. Auch gegenüber Kanada setzte Trump im August seine konfrontative Linie fort. Besonders symbolträchtig war Ende August die von ihm angeordnete Umbenennung des Lake Ontario in «Lake America». Gegenüber Russland und der Ukraine unternahmen die USA indessen weitere Annäherungsversuche, um die Kriegsparteien zu einem Frieden zu bewegen.

Gegenläufige Impulse bringen Goldpreis auf Berg- und Talfahrt

Das sinkende Vertrauen in den US-Dollar, nicht zuletzt ausgelöst durch die Überschreitung der Rekordmarke von 40 Billionen US-Dollar bei der Staatsverschuldung scheint der Boden zu sein, auf dem der wiederanstieg des Goldkurses aufgesetzt hat. Jedenfalls hat Gold die tiefen Dellen im Kursverlauf bei zuletzt 3'976 US-Dollar pro Unze am 16. Juli bis Mitte August überwunden und stieg einstweilen auf über 4'500 US-Dollar.

Verdoppelte Rückkäufe von US-Staatsanleihen zur Schuldenlastsenkung förderten Goldnachfrage.

Die angesehene Frankfurter Allgemeine Zeitung mutmasst in einem Grundsatzkommentar im Wirtschaftsteil, dass der Anstieg des Goldpreises ein Vorbote einer Krise der US-Wirtschaft sein könnte. Die USA müssten inzwischen hohe Zinsen auf ihre gestiegenen Schulden zahlen. Zudem habe Bridgewater-Gründer Ray Dalio Anlegern geraten, mehr Gold und Bitcoin zu kaufen. Die Rendite 30-jähriger US-Staatsanleihen stieg in der letzten Augustwoche auf mehr als 5,3 Prozent und damit auf den höchsten Stand seit 2007. Damals stand die Insolvenz der Lehman Brothers Bank noch bevor, die als Auslöser der internationalen Finanzkrise gilt.

Die Entscheidung von US-Finanzminister Scott Bessent, doppelt so viele Staatsanleihen zurückzukaufen wie geplant, sollte offenbar die Renditen senken und die Schuldenlast verringern. Stattdessen hat sie jedoch die Nachfrage nach Gold deutlich verstärkt. Die von Bloomberg beobachteten goldgedeckten börsengehandelten ETFs verzeichneten in der letzten Augustwoche Zuflüsse von mehr als 28 Tonnen – so viel wie seit Januar nicht mehr.

Ein Foto des Gebäudes der United States National Bank.

Im Kampf gegen die Teuerung erhöht die US-Notenbank Fed im September möglicherweise die Zinsen.

Mit Spannung wurde die Rede des Fed-Vorsitzenden Kevin Warsh am 28. August in Jackson Hole bei dem dortigen Economic Polica Symposion erwartet. Die Aussicht auf eine deutlich straffere Geldpolitik der Federal Reserve führte kurzfristig zu spürbaren Marktverschiebungen. Warsh betonte in seiner Rede, dass die von der Fed regelmässig genannte Zielinflationsrate von 2 Prozent zuletzt bei den privaten Konsumausgaben überschritten wurde. Kevin Warsh unterstrich, dass das Inflationsziel der Fed weiterhin klar bei 2 Prozent liege. Diese Aussage wurde von manchen Beobachtern als Hinweis auf eine klare Präferenz für Leitzinserhöhungen im September gewertet und sorgte zunächst für Unruhe an den Märkten: Aktienkurse schwankten, die Renditen von Staatsanleihen stiegen und der Goldpreis setzte seinen Höhenflug nicht fort. US-Präsident Donald Trump wünscht eine weitere Zinssenkung. Damit würden auch die Kreditkosten für die extrem hohe Staatsverschuldung gemildert werden.

Die langfristige Unterstützung des Goldpreises bleibt intakt: Zentralbanknachfrage, Angebotsrisiken wie der Exportstopp für unraffiniertes Gold aus Ghana und überwiegend höhere Goldpreis-Erwartungen grosser Banken sprechen weiter für ein konstruktives Umfeld.

Apropos Inflation: Warsh sagt also, dass das Inflationsziel der Fed bei 2 Prozent sei. Tatsächlich liegen wir bei den privaten Konsumausgaben aber bei 3,7 Prozent – auf sechs Monate gerechnet sogar bei 4,1 Prozent.

Da dachte ich mir: Vielleicht sollte die Fed ihre Zinspolitik nicht in Jackson Hole evaluieren, sondern in einer Filiale der Grosshandelskette Costco. Denn Costco verkauft in den USA seinen berühmten Hotdog mit Getränk seit 1985 für exakt 1 Dollar 50. Auch 2026 wurde das Angebot überarbeitet – nur eines blieb unangetastet: der Preis. Seit über 40 Jahren also praktisch null Prozent Hotdog-Inflation.

Costco hat damit geschafft, wovon jeder Notenbanker nur träumt: perfekt verankerte Inflationserwartungen. Vielleicht liegt das Geheimnis stabiler Preise am Ende also gar nicht in der Geldpolitik – sondern in der Entschlossenheit, einen Preis einfach nicht zu erhöhen.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine Woche mit stabilen Preisen, steigender Kaufkraft und möglichst wenigen Überraschungen an der Kasse.

Mit goldenen Grüssen

Christian Brenner

Zum Autor

Christian Brenner, Geschäftsführer philoro SCHWEIZ AG

Christian Brenner hat Publizistik und Kommunikationswissenschaften studiert und ist seit 2017 Geschäftsführer des inhabergeführten Familienunternehmens philoro sowie Verwaltungsrat der philoro Global Trading, der philoro North America und der philoro International Holding. Zuvor hatte er 2011 bis 2019 als Geschäftsführer der philoro EDELMETALLE GmbH in Deutschland agiert. Er war in den vergangenen Jahren zudem Gastreferent an der Universität St.Gallen (HSG) und ist Mitglied mehrerer Handelsausschüsse der IHK. Seit November 2024 ist Christian Brenner österreichischer Honorarkonsul für die Kantone St.Gallen und beide Appenzell.