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Die Goldene Stunde: Schafft der Goldpreis bereits die Trendwende?

Die Schweizer Wirtschaft bleibt robust, der Euro-Raum schwächelt. In den USA stabilisiert sich die Konjunktur. Mit Hoffnung auf ein Ende des Iran-Kriegs findet Gold einen Boden.

10. August 2026

Die Schweizer Wirtschaft bleibt robust, wenn auch wenig dynamisch. Das Wirtschaftswachstum im Euro-Raum verlangsamt sich. In den USA hat sich die Konjunktur nach einer Phase der Abkühlung auf niedrigerem Niveau stabilisiert. Der Goldpreis findet aus organischer Nachfrage einen Boden. Beim Iran-Krieg wächst die Hoffnung auf eine Deeskalation und eine nachhaltige Öffnung der Strasse von Hormus. Der Goldkurs reagiert auf eine Stützung des japanischen Yen und zeigt nun Richtung Trendwende.

Das Gesamtbild in der Schweiz zeigt eine weiterhin robuste, aber wenig dynamische Wirtschaftslage. Ein positives Signal kam Ende Juli vom KOF Konjunkturbarometer der ETH Zürich. Das Institut meldete eine deutliche Verbesserung der Konjunkturaussichten. Im Juli steigt das KOF Konjunkturbarometer um 1,4 Punkte auf einen Wert von 103,5 (nach revidierten 102,1 im Vormonat). Das Barometer stieg wieder in einen leicht überdurchschnittlichen Bereich und deutete auf eine Aufhellung der Schweizer Wirtschaftsperspektiven hin.

Gemäss dem KOF Konjunkturbarometer hellen sich die Wirtschaftsaussichten in der Schweiz auf.

Am 6. Juli veröffentlichte das Staatssekretariat für Wirtschaft SECO die Arbeitsmarktzahlen für Juni 2026. Saisonbereinigt war das Bild nicht so günstig. Die Zahl der Arbeitslosen stieg um 2'416 Personen (+1,7 %) auf 147'087 Personen, während die Arbeitslosenquote bei 3,1 Prozent verharrte.

In der Schweiz sind die Konsumentenpreise laut dem Bundesamt für Statistik auch im Juni stabil (gegenüber Mai 0,0%) geblieben. Im Vergleich zum Juni 2025 betrug die Teuerung 0,5 Prozent. Die Preisstabilität gegenüber dem Mai resultiert aus entgegengesetzten Entwicklungen, die sich insgesamt aufgewogen haben. Gestiegen sind die Preise für Frucht und Stängelgemüse. Ebenfalls zugenommen haben die Preise in Hotellerie und Parahotellerie sowie für Automiete und Carsharing. Gesunken sind gegen die Preise für Luftverkehr, Heizöl und Diesel. Der harmonisierte Verbraucherpreisindex der Schweiz lag im Juni um 0,1 Prozent über dem Vormonat und um 0,7 Prozent über dem Wert von Juni 2025.

Ein Einkaufswagen vor dem Kühlregal in einem Geschäft.

Gegenüber dem Vorjahr sind die Konsumentenpreise im Juni in der Schweiz marginal gestiegen. 

Die Schweizerische Nationalbank veröffentlichte Mitte Juli die Zusammenfassung ihrer geldpolitischen Lagebeurteilung vom Juni. Der SNB-Leitzins blieb unverändert bei 0 Prozent. Die Nationalbank sah die mittelfristigen Inflationsaussichten weiterhin weitgehend unverändert und erachtete die aktuelle Geldpolitik als angemessen. Gleichzeitig betonte sie ihre Bereitschaft, bei Bedarf am Devisenmarkt zu intervenieren.

Verlangsamtes Wirtschaftswachstum in der Euro-Zone

Im Vergleich zum Vorjahr wächst die Wirtschaft im Euro-Raum, doch kurzfristig zeigt sich eine leichte Abkühlung. Laut dem statistischen Amt der Europäischen Union Eurostat ist das reale Bruttoinlandsprodukt im ersten Quartal 2026 in der Euro-Zone (Saison arbeitstäglich bereinigt) gegenüber dem Vorquartal (letztes Quartal 2025) um rund 0,2 Prozent geringer ausgefallen. Gegenüber dem ersten Quartal 2025 hingegen um rund 0,3 Prozent gestiegen. Im letzten Quartal 2025 betrug die Steigerung gegenüber dem letzten Quartal 2024 1,2 Prozent, gegenüber dem dritten Quartal 2025 0,2 Prozent.

Die Europäische Zentralbank vor einem Himmel.

Die Europäische Zentralbank EZB belässt den Leitzins trotz Inflation derzeit unverändert.

Die Inflation in der Europäischen Union sank im Juni 2026 von 3,3 Prozent auf 2,9 Prozent. Im Vorjahr hatte der Anstieg von Mai auf Juni noch 2,3 Prozent betragen. Im Euro-Raum ging die Inflationsrate im Juni auf 2,8 Prozent zurück, nach 3,2 Prozent im Mai. Vor einem Jahr hatte sie bei 2,0 Prozent gelegen. Wie allgemein erwartet, hat die Europäische Zentralbank mit Entscheid vom 23. Juli die Leitzinsen – trotz der durch den Iran Krieg ausgelösten Steigerung der Inflationsraten – gleich belassen.

Die Folgen des Iran-Schocks seien noch nicht vollständig sichtbar, sagte EZB-Präsidentin Christine Lagarde nach der Sitzung. Die EZB werde die Inflationsentwicklung aufmerksam verfolgen. Anders als nach dem russischen Angriff auf die Ukraine 2022 solle der Preisschub diesmal frühzeitig beobachtet werden.

Ökonomen rechnen in den USA mit Wirtschaftsaufschwung

Die US-Wirtschaft zeigt sich zur Jahresmitte 2026 trotz wachsender Belastungen durch neue Handelskonflikte, geopolitische Risiken und anhaltenden Preisdruck weiterhin robust. Neue Daten des Bureau of Economic Analysis (BEA) unterstreichen zugleich die anhaltend hohe Bedeutung grenzüberschreitender Direktinvestitionen für die Vereinigten Staaten. Demnach stieg die Position der US-Direktinvestitionen im Ausland Ende 2025 um 438,1 Milliarden US-Dollar auf 7,14 Billionen US-Dollar.

In den USA steigerte sich das BIP im ersten Quartal annualisiert um 2,1 Prozent.

Für das laufende Jahr rechnen Ökonomen insgesamt mit einem moderaten, aber positiven Wachstum der US-Wirtschaft. Nach einer Phase der Abkühlung hat sich die Konjunktur auf niedrigerem Niveau stabilisiert. Das Bruttoinlandsprodukt legte im ersten Quartal gegenüber dem Vorjahr um rund 2,1 Prozent zu.

Unsicherheit entsteht durch die erneute Verschärfung der US-Handelspolitik. Die US-Regierung hat mit Wirkung vom 24. Juli neue Zölle von 10 bis 12,5 Prozent auf Waren aus 60 Handelspartnern verhängt, darunter die Europäische Union. Begründet wird der Schritt mit dem Vorwurf, einzelne Staaten würden Verbote gegen Waren aus Zwangsarbeit nicht ausreichend durchsetzen. Für viele Schweizer Waren gilt nun ein Zoll von 12,5 Prozent. Für die US-Wirtschaft können die neuen Zölle kurzfristig zusätzliche Einnahmen bringen und einzelnen heimischen Produzenten Schutz verschaffen. Zugleich erhöhen sie aber die Kosten für Importeure, die einen Teil der Belastung an Unternehmen und Verbraucher weitergeben dürften.

Container mit den Flaggen verschiedener Länder.

Im Juli haben die USA höhere Einfuhrzölle für 60 Handelspartner verhängt.

Am Arbeitsmarkt ist die Lage weiterhin solide, zeigt aber Zeichen einer Normalisierung. Der Stellenaufbau setzte sich fort, verlor jedoch an Dynamik. Die Arbeitslosenquote lag im Juni bei 4,2 Prozent und damit leicht unter dem Wert vom Mai von 4,3 Prozent. Insgesamt bleibt die US-Wirtschaft damit widerstandsfähig, zugleich aber anfälliger für externe Schocks.

Die Inflation hat sich gegenüber den Spitzenwerten der vergangenen Jahre zwar abgeschwächt, bleibt aber über dem Zielwert der US-Notenbank. Im Juni stiegen die Verbraucherpreise gegenüber dem Vormonat um 0,4 Prozent und gegenüber dem Vorjahr um 3,5 Prozent. Die Kerninflation ohne Energie und Nahrungsmittel lag bei 2,6 Prozent. Am 29. Juli hat der Offenmarktausschuss der US-Notenbank beschlossen, den Leitzins unverändert bei einer Zielspanne von 3,50 Prozent bis 3,75 Prozent zu belassen. Es war bereits die fünfte Sitzung in Folge ohne Zinsänderung.

Nachfrage nach Gold bleibt weltweit auf hohem Niveau

Die weltweite Goldnachfrage hat sich im zweiten Quartal stabilisiert. Grund dafür war unter anderem der Rückgang bei den Edelmetallpreisen. Insgesamt lag der Bedarf nach Gold im zweiten Quartal bei 1'269 Tonnen, was nur leicht höher ist als der Wert vom Vorjahr. Dies berichtet die Branchenorganisation World Gold Council (WGC) im aktuellen Report. Das WGC rechnet damit, dass Investitions-Gold auch in der zweiten Jahreshälfte der wichtigste Treiber des Nachfragewachstums bleiben wird.

Viele Zentralbanken wollen sich vom US-Dollar lösen und kaufen stattdessen in hohem Tempo Gold.

Die Zentralbanken tätigten im zweiten Quartal umfangreiche Goldkäufe in Höhe von 289 Tonnen, was satten 62 Prozent mehr als im Vorjahresquartal entspricht. Gold-ETFs standen im zweiten Quartal unter Verkaufsdruck (-45 Tonnen). Die moderaten Mittelabflüsse waren eine Reaktion auf den schwächeren Goldpreis sowie – insbesondere in Nordamerika – auf nach oben korrigierte Erwartungen hinsichtlich Inflation und Zinssätzen sowie auf einen stärkeren US-Dollar, wie das WGC mitteilt.

Die Investitionen in Goldbarren und -münzen blieben im zweiten Quartal mit 307 Tonnen im Vergleich zum Vorjahr stabil. Dies deutet auf eine Rückkehr zu einem normaleren Kaufverhalten nach zwei aussergewöhnlich starken Quartalen hin. Zu den Ländern mit besonders hohem Bedarf nach Anlagegold gehören nach wie vor Indien mit 50 Tonnen (+9% gegenüber Vorjahr) und China mit 107 Tonnen (-7%). Auch der Mittlere Osten und Russland sind grosse Abnehmer von Anlageprodukten aus Gold.

Ein goldenes Sparschwein auf schwarzem Hintergrund.

In den aktuell unischeren Zeiten hat Gold seinen Status als Krisenwährung weiterhin gefestigt.

Seit dem Junitief hat sich der Goldpreis stabilisiert und die Marke von 4'000 US-Dollar beziehungsweise 3'000 Schweizer Franken pro Feinunze konnte sich behaupten. Die Erholung kam ohne geopolitischen Auslöser, also aus organischer Nachfrage heraus. Anfang August stützten in Japan die Behörden den unter Druck geratenen Yen mit einer aussergewöhnlichen Intervention am Devisenmarkt. Der Dollar verlor an Wert und der Goldpreis legte deutlich zu.

Der Goldpreis zeigt Richtung Trendwende, deren Nachhaltigkeit sich noch zeigen muss.

Der Goldpreis könnte nach der jüngsten Abwärtsbewegung einen Boden finden und sich schrittweise erholen. Folgende Faktoren spielen hierbei eine Rolle: Der Nahe Osten befindet sich derzeit in einer Phase zwischen Krieg und Diplomatie, wobei sich je nach Standpunkt in kleinen Schritten eine positive Entwicklung erkennen lässt. Bezüglich der Situation im Gaza-Streifen haben die USA Anfang August versucht, einen Waffenstillstand sowie einen Plan zur Entwaffnung der Hamas zu erreichen. Was den Krieg mit dem Iran betrifft, ist die Hoffnung gross, dass ein Abkommen den Konflikt entschärfen könnte. Die Aussicht auf eine Einigung zwischen den USA und dem Iran hat die Sorge verringert, dass die für den weltweiten Ölhandel zentrale Strasse von Hormus länger blockiert bleiben könnte. Entsprechend hat der Ölpreis merklich nachgegeben. Die Erwartungen an den Finanzmärkten ändern damit wieder etwas. Zinserhöhungen seitens Zentralbanken könnten ausbleiben oder wenig drastisch ausfallen. Zinsgebundene Anlagemöglichkeiten wie Staatsanleihen verlieren an Attraktivität, während Gold wieder interessanter wird.

Zwei 1 kg philoro Goldbarren auf einem Felsen.

Gold in physischer Form hat sich als beständiger Vermögensspeicher über Jahrtausende bewährt.

Insgesamt muss sich weisen, wie sich die Weltlage entwickelt und welche Impulse der Goldpreis damit erhält. Deshalb ist auch unklar, ob aus der aktuellen Bodenbildung des Goldpreises eine langfristige Trendwende folgt. Grundsätzlich gilt, dass geopolitische und wirtschaftliche Unsicherheiten die Anleger in Gold flüchten lassen. Beim Krieg im Iran hat es sich anders verhalten, weil der steigende Ölpreis die Inflation angeheizt und höhere Zinsen erwarten liess. Wie die langfristige Statistik des World Gold Councils zeigt, hat sich das Interesse an Investment-Gold als Krisenwährung vor allem im asiatischen Raum gefestigt. Und auch die Zentralbanken kaufen in hohem Tempo Gold, um sich vom US-Dollar zu entkoppeln.

Die Grossbanken haben die Goldpreis-Prognosen zwar etwas zurückgestuft, sie erwarten aber auf lange Sicht einen Preisanstieg beim gelben Edelmetall. Die Spanne für das Jahresende liegt grob zwischen 4'300 und 4'900 US-Dollar pro Feinunze, für 2027 zwischen 5'000 und 5'600 US-Dollar, mit einzelnen deutlich optimistischeren Stimmen.

Apropos «den Boden finden», wie es der Goldpreis tut. Wenn Sie gerade ein paar Tage in den Bergen verbringen, dann gilt neuerdings eine zusätzliche Vorsichtsregel: Vertrauen Sie nicht jedem, der Ihnen den Weg weist. Vor allem dann nicht, wenn Ihr Wanderführer künstliche Intelligenz ist. In den französischen Pyrenäen haben sich jüngst zwei junge Frauen verirrt, nachdem sie ihre Tour mit einer KI-generierten Wanderkarte geplant hatten. Hütten waren eingezeichnet, Seen ebenfalls. Das Problem war nur: Sie befanden sich nicht dort, wo die Karte sie vermutete.

Bergführer beobachten dieses Phänomen inzwischen mit wachsender Sorge. Gehzeiten werden erstaunlich optimistisch berechnet, Wege verschoben, Schwierigkeitsgrade verharmlost – und gelegentlich entstehen offenbar sogar Pfade, die ausserhalb der digitalen Welt nie existiert haben. Ein Ranger des Nationalparks fand die beiden Frauen schliesslich völlig erschöpft. Sein bemerkenswert nüchterner Befund im französischen Radio: Sie seien nicht einmal im richtigen Tal gewesen. Mehr als 30 Wanderer, die aufgrund von KI-Empfehlungen vom Weg abgekommen waren, habe er allein in diesem Sommer bereits aufgegriffen.

Man kann darüber schmunzeln. Man sollte daraus aber auch etwas lernen. Denn künstliche Intelligenz kann uns heute innerhalb weniger Sekunden Antworten liefern, für die wir früher Karten studiert, Experten gefragt oder selbst nachgedacht hätten. Das ist ein gewaltiger Fortschritt. Aber Geschwindigkeit ersetzt keine Verlässlichkeit – und eine überzeugend formulierte Antwort ist noch lange keine richtige. Vielleicht ist das die eigentliche Lektion aus den Pyrenäen: Je leistungsfähiger unsere technischen Navigationssysteme werden, desto wichtiger bleibt der eigene Kompass.

Ich wünsche Ihnen eine Woche, in der Sie nicht die Orientierung verlieren.

Mit goldenen Grüssen

Christian Brenner

Zum Autor

Christian Brenner, Geschäftsführer philoro SCHWEIZ AG

Christian Brenner hat Publizistik und Kommunikationswissenschaften studiert und ist seit 2017 Geschäftsführer des inhabergeführten Familienunternehmens philoro sowie Verwaltungsrat der philoro Global Trading, der philoro North America und der philoro International Holding. Zuvor hatte er 2011 bis 2019 als Geschäftsführer der philoro EDELMETALLE GmbH in Deutschland agiert. Er war in den vergangenen Jahren zudem Gastreferent an der Universität St.Gallen (HSG) und ist Mitglied mehrerer Handelsausschüsse der IHK. Seit November 2024 ist Christian Brenner österreichischer Honorarkonsul für die Kantone St.Gallen und beide Appenzell.