Der Juli fühlte sich am Edelmetallmarkt an wie ein Ringelspiel: viel Bewegung, hohe Volatilität, aber am Ende kaum Fortschritt. Die gute Nachricht: Gold ist nicht weiter eingebrochen. Nach dem deutlichen Rückgang seit dem Rekordhoch Ende Jänner scheint sich die Abwärtsbewegung zumindest vorerst gebremst zu haben.
Im neuen Monatsupdate von philoro TV geht es um die wichtigsten Entwicklungen im Juli: den stabilisierten Goldpreis, die weiterhin starke Nachfrage nach Gold, die Lage bei Silber, neue geopolitische Risiken, Zinserwartungen, die Weltwirtschaft und die aktuellen Inflationsdaten.
Gold bleibt über 4'000 US-Dollar
Sechs Monate nach dem Gold-Peak Ende Jänner liegt der Preis zum Drehzeitpunkt am 29. Juli bei rund 4'041 US-Dollar. Seit dem Hoch entspricht das einem Rückgang von rund 25 Prozent. Das ist deutlich – doch der Blick auf den Juli allein fällt weniger dramatisch aus.
Im Monatsvergleich verlor Gold nur rund 1,1 Prozent. Gleichzeitig war der Markt stark volatil. Der Preis schwankte deutlich, ohne jedoch nachhaltig weiter nach unten auszubrechen. Damit entsteht zumindest der Eindruck, dass die Abwärtsbewegung an Tempo verloren hat.
Ob damit bereits ein Boden erreicht ist, bleibt offen. Klar ist aber: Angesichts der weltweiten Unsicherheiten kann man mit einem stabilen Goldpreis oberhalb der Marke von 4'000 US-Dollar durchaus zufrieden sein.
Vieles spricht kurzfristig gegen Gold
Der Blick auf das Umfeld zeigt, warum die Stabilisierung bemerkenswert ist. Eigentlich sprechen derzeit mehrere Faktoren gegen Gold. Der Iran-Konflikt scheint wieder aufzuflammen, von einer stabilen 60-tägigen Waffenruhe kann kaum noch die Rede sein. Die Strasse von Hormus bleibt geschlossen, und die USA blockieren erneut iranische Ölhäfen.
Auch an einer anderen wichtigen Handelsroute verschärft sich die Lage: Der Schiffsverkehr in der Meerenge von Bab el-Mandab ist eingebrochen. Diese Route ist für den Zugang zum Roten Meer und zum Suezkanal zentral. Wiederholte Angriffe von Huthi-Milizen auf Schiffe sorgen dort für zusätzliche Unsicherheit.
Die Folge: Ölpreise steigen wieder leicht, und mit ihnen nehmen auch die Inflationssorgen zu. Für Notenbanken ist das ein schwieriges Umfeld – und für Gold kurzfristig ebenfalls.
Notenbanken bleiben vorsichtig
Die Reaktion der Notenbanken ist bisher Zurückhaltung. EZB-Chefin Christine Lagarde betonte, man wolle diesmal besser reagieren als beim russischen Angriff auf die Ukraine 2022 und einen möglichen Preisschub frühzeitig beobachten.
Die US-Notenbank Fed wird am Abend des Drehtags ihre nächste Zinsentscheidung verkünden. Erwartet wird, dass sie die Zinsen vorerst unverändert lässt. Die nächste Zinserhöhung wird laut Markterwartung erst für September erwartet – dann allerdings mit hoher Wahrscheinlichkeit. Rund 75 Prozent rechnen damit, dass die Zinsen im Herbst steigen.
Auch das spricht kurzfristig gegen Gold. Steigende oder länger hoch bleibende Zinsen erhöhen den Druck auf Edelmetalle, weil Gold keine laufenden Erträge abwirft.
Warum Gold trotzdem stabil bleibt
Trotz dieses Gegenwinds hält sich Gold oberhalb der Marke von 4'000 US-Dollar. Der wichtigste Grund dafür ist die weiterhin stabile bis sehr starke Nachfrage.
Zentralbanken kaufen weiter Gold. Polen zählt weiterhin zu den aktivsten Käufern, und China hat im Juni den grössten Goldkauf seit Oktober 2023 getätigt. Auch bei den Gold-ETFs gab es im Juli wieder Zuflüsse: Weltweit kamen rund 18 Tonnen hinzu.
Dazu passt eine frühere Meldung aus dem ersten Quartal: Die Nachfrage nach Barren und Münzen ist im Vergleich zum Vorjahr um 42 Prozent gestiegen. Das zeigt: Auch wenn Zinsen, Inflation und geopolitische Unsicherheit kurzfristig belasten, bleibt Gold stark nachgefragt.
Das Fazit: Viele Marktteilnehmer wollen Gold – und genau das hilft, den Preis oberhalb der 4'000-Dollar-Marke zu halten.
Silber: Der Rückgang flacht ab
Beim Silber zeigt sich ein ähnliches Bild, allerdings noch ausgeprägter. In den vergangenen sechs Monaten verlor Silber rund 50 Prozent. Im Juli lag das Minus dagegen nur noch bei etwa einem Prozent.
Auch hier scheint sich die Kurve abzuflachen. Nach der massiven Korrektur der vergangenen Monate wirkt der Markt weniger dynamisch nach unten. Ob daraus eine echte Stabilisierung oder sogar eine Gegenbewegung entsteht, bleibt offen.
Oder, wie man in Österreich sagt: Schauma amal, dann werden wir schon sehen.
Weltwirtschaft: Abwarten auf stabilem Niveau
Nicht nur bei Gold und Silber, auch in der Weltwirtschaft ist der Juli von einer Art stabilem Abwarten geprägt. In Deutschland zeigt der aktuelle Geschäftsklimaindex des Ifo Instituts, der monatlich aus rund 9'000 Unternehmensmeldungen erstellt wird, eine langsam bessere Stimmung. Die Unsicherheit nimmt etwas ab.
Der Internationale Währungsfonds erwartet für Deutschland in diesem Jahr ein Wachstum von 1,4 Prozent. In Österreich sieht die Lage verhaltener aus: Das Institut für Höhere Studien rechnet mit rund einem Prozent Wachstum – und das auch nur unter der Voraussetzung, dass der Iran-Konflikt nicht erneut eskaliert.
Weltweit erwartet der IWF ein Wachstum von drei Prozent. Die einzelnen Sektoren entwickeln sich jedoch sehr unterschiedlich. Handel und Rohstoffe stehen unter Druck, während KI und Technologie weiterhin stark wachsen.
USA, China und Indien: Unterschiedliche Dynamiken
Ein Unsicherheitsfaktor bleiben die USA. Ende Juli kündigte die Regierung neue Zölle gegen 60 Länder an. Begründet wurden diese damit, dass die betroffenen Staaten Verbote gegen Waren aus Zwangsarbeit angeblich nicht ausreichend durchsetzen.
In Asien zeigt sich ein anderes Bild. China wächst weiterhin stabil. Im Juni lagen die Exportzahlen um 27 Prozent höher als ein Jahr zuvor. Indien bleibt der wichtigste Wachstumsmotor unter den großen Volkswirtschaften. Für das laufende Jahr wird ein Wachstum von 6,4 Prozent erwartet. Damit wächst Indien schneller als alle anderen G20-Staaten.
Diese Unterschiede zeigen, wie uneinheitlich sich die Weltwirtschaft derzeit entwickelt. Während westliche Märkte von Zinsen, Zöllen und Unsicherheit geprägt sind, bleibt der Osten vielerorts deutlich dynamischer.
Inflation geht langsam zurück
Bei der Inflation gab es im Juni leichte Entspannung. In den USA fiel die Teuerung erstmals seit fünf Monaten wieder und lag bei 3,5 Prozent. Der kurzfristige Waffenstillstand im Iran hatte die Energiepreise vorübergehend entlastet.
In der gesamten EU lag die Inflation im Juni bei 2,9 Prozent, im Euro-Raum bei 2,8 Prozent. Deutschland kam auf 2,3 Prozent. Die Energiepreise bleiben dort weiterhin der wichtigste Treiber, der Anstieg fällt jedoch schwächer aus. Auffällig: Butter wurde in Deutschland um 29 Prozent günstiger.
Österreich lag im Juni bei einer Inflationsrate von 3,2 Prozent. Auch hier spielen Treibstoffe eine wichtige Rolle. Gleichzeitig verteuerten sich Wohnen, Strom und Gas weniger stark als zuvor.
In der Schweiz blieb die Inflation mit 0,5 Prozent sehr niedrig.
Fazit: Gold zeigt Stabilität in einem schwierigen Umfeld
Der Juli war kein einfacher Monat, aber auch kein weiterer Absturz. Gold verlor im Monatsvergleich nur 1,1 Prozent und hielt sich trotz hoher Volatilität über der wichtigen Marke von 4'000 US-Dollar. Silber blieb ebenfalls unter Druck, doch auch hier flachte die Abwärtsbewegung zuletzt ab.
Das ist bemerkenswert, denn das Umfeld bleibt angespannt: Der Iran-Konflikt flammt wieder auf, wichtige Handelsrouten sind gefährdet, Ölpreise steigen leicht, Inflationssorgen bleiben bestehen und die Notenbanken halten an einer vorsichtigen Linie fest.
Gleichzeitig bleibt die Nachfrage nach Gold stark. Zentralbanken kaufen weiter, ETFs verzeichnen wieder Zuflüsse, und Barren sowie Münzen sind weiterhin gefragt. Genau diese Nachfrage stabilisiert den Markt.