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Monatsupdate Oktober 2026

Gold unter Druck, Öl teuer, Inflation bleibt hartnäckig.

4. November 2026

Gold hat im Oktober deutlich verloren. Silber traf es sogar noch etwas stärker. Gleichzeitig bleiben die Zuflüsse in Gold-ETFs hoch, Zentralbanken kaufen weiter und auch die Weltwirtschaft sendet widersprüchliche Signale.

Im neuen Monatsupdate von philoro TV geht es deshalb nicht nur um fallende Edelmetallpreise, sondern auch um die Frage, warum die Nachfrage trotzdem stabil bleibt, welche Rolle Öl und Zinsen spielen und wie sich die Wirtschaft in Europa, China und Indien entwickelt.

Gold verliert im Oktober deutlich

Der Oktober war für Gold ein schwacher Monat. Vom 1. bis 31. Oktober fiel der Goldpreis von 4'177 auf 3'875 US-Dollar je Unze. Damit wurden grosse Teile der vorherigen Gewinne wieder abgegeben. Im Jahresvergleich liegt Gold nun wieder ungefähr dort, wo der Preis Anfang November 2025 stand - also vor dem starken Ausbruch über die Marke von 5'000 US-Dollar. Die zentrale Frage lautet deshalb: Warum fällt Gold so stark, obwohl die langfristige Nachfrage weiterhin hoch ist?

Hohe Ölpreise sorgen für Gegenwind

Ein wichtiger Belastungsfaktor war im Oktober der Ölpreis. Der Krieg im Iran hat die Preise erneut deutlich nach oben getrieben. Die Nordseesorte Brent stieg am 23. Oktober auf mehr als 117 US-Dollar je Barrel. Zum Vergleich: Noch im Juli lag der Preis zeitweise bei knapp 70 US-Dollar.

Diese Entwicklung ist auch für Gold entscheidend. Steigende Ölpreise erhöhen den Inflationsdruck. Je hartnäckiger die Inflation bleibt, desto grösser ist die Wahrscheinlichkeit, dass die US-Notenbank Fed die Zinsen länger hoch hält oder sogar weiter anhebt. Und genau diese Erwartungen werden an den Märkten bereits heute eingepreist.

Der Markt rechnet weiter mit hohen Zinsen

Die Fed liess die Leitzinsen bei ihrer Sitzung im Oktober unverändert. Für Dezember rechnet der Markt jedoch weiterhin mit einer möglichen Zinserhöhung. Rund 73 Prozent der im FedWatch Tool abgebildeten Markterwartungen gingen zum Zeitpunkt des Monatsupdates davon aus, dass Fed-Chef Kevin Warsh die Zinsen erneut anheben könnte.

Höhere Zinsen belasten Gold, weil verzinste Anlagen dadurch attraktiver werden. Gold reagiert deshalb nicht nur auf aktuelle Entscheidungen, sondern vor allem auf das, was Anleger für die kommenden Monate erwarten.

Der «Bankomat-Effekt» belastet zusätzlich

Ein weiterer Faktor ist der sogenannte Bankomat-Effekt. Wenn Anleger an anderen Märkten Verluste erleiden oder kurzfristig Liquidität benötigen, verkaufen sie häufig jene Vermögenswerte, die sich besonders schnell zu Geld machen lassen. Gold und Silber gehören dazu.

Das bedeutet: Edelmetalle können auch dann verkauft werden, wenn Anleger grundsätzlich weiterhin von ihrer langfristigen Bedeutung überzeugt sind. Der Preis fällt dann nicht zwingend wegen eines fundamentalen Vertrauensverlusts, sondern weil Bargeld gebraucht wird.

Trotzdem bleibt die Goldnachfrage hoch

Genau hier entsteht der scheinbare Widerspruch. Der Goldpreis fällt, aber die langfristige Nachfrage ist weiterhin bemerkenswert robust. Gold-ETFs verzeichneten laut World Gold Council über 14 Wochen hinweg durchgehend Zuflüsse. Allein von Juli bis September flossen rund 31 Milliarden US-Dollar in diese Fonds.

Auch die Zentralbanken kaufen weiter. China hat seine Goldreserven inzwischen seit 23 Monaten in Folge aufgestockt. Der grösste staatliche Käufer im laufenden Jahr ist Polen mit rund 98 Tonnen seit Jahresbeginn. Die langfristigen Käufer bleiben also aktiv.

Unterschiedliche Anleger, unterschiedliche Strategien

Ole Hansen von der Saxo Bank erklärt diese Entwicklung mit unterschiedlichen Anlagehorizonten. Langfristig orientierte Anleger investieren weiterhin in Gold-ETFs und physisches Gold. Kurzfristige Marktteilnehmer reagieren dagegen stärker auf Zinsen, Wechselkurse und technische Signale. Damit können beide Entwicklungen gleichzeitig stattfinden: Der Goldpreis fällt kurzfristig, während langfristige Investoren ihre Positionen weiter ausbauen.

Silber trifft es noch härter

Noch schwächer als Gold entwickelte sich im Oktober Silber. Von 1. bis 31. Oktober fiel der Preis von rund 61 auf 49 US-Dollar je Unze. Das entspricht einem Rückgang von etwa 19,5 Prozent. Auch beim Silber sind damit grosse Teile der Gewinne der vergangenen zwölf Monate wieder verschwunden. Die höhere Volatilität von Silber zeigt sich damit erneut sehr deutlich.

Energiekrise bleibt das grosse Thema

Auch für die Weltwirtschaft bleiben die hohen Energiepreise ein entscheidender Belastungsfaktor. Die Strasse von Hormus ist weiterhin de facto geschlossen. Gleichzeitig sorgen Angriffe und Drohungen rund um die Strasse von Bab al-Mandab für zusätzliche Unsicherheit beim Zugang zum Suezkanal.

Damit bleibt ein erheblicher Teil der globalen Energie- und Handelswege unter Druck. Der Internationale Währungsfonds fasst die Lage entsprechend vorsichtig zusammen: Das Wachstum hält sich bislang, gleichzeitig erfordern steigende Inflation und schwindende Puffer politisches Handeln.

Die finanziellen Puffer werden kleiner

Mit den «schwindenden Puffern» sind mehrere Entwicklungen gemeint. Einerseits steigen weltweit die Schuldenquoten weiter an. Andererseits werden auch die verfügbaren Ölreserven zunehmend als knapp beschrieben.

Damit hängt viel davon ab, wie sich die geopolitische Situation weiterentwickelt – insbesondere der Iran-Konflikt. Politische Entscheidungen könnten hier vergleichsweise schnell grosse wirtschaftliche Auswirkungen haben.

Öl-Deal mit begrenzter Wirkung

Ein interessantes Detail betrifft einen geplanten Öllieferdeal zwischen den USA und Russland. Rund 300'000 Tonnen Öl sollen in die USA geliefert werden. Gemessen am Verbrauch wäre das allerdings nur ein sehr kleiner Betrag. Die Menge würde gerade einmal für rund 14 Stunden reichen. Damit dürfte der Einfluss auf die Benzinpreise in den USA begrenzt bleiben.

Hohe Energiepreise haben auch Gewinner

Während hohe Ölpreise Verbraucher und viele Unternehmen belasten, profitieren Energiekonzerne. Shell erzielte im dritten Quartal einen Nettogewinn von mehr als zwölf Milliarden US-Dollar. Das zeigt, wie unterschiedlich die Energiekrise auf einzelne Branchen wirkt.

Deutschland überrascht positiv

Beim Blick auf Europa fallen die Wachstumsprognosen teilweise besser aus als noch vor einigen Monaten erwartet. Für Deutschland hatte die Bundesbank im Juni noch mit einem Wachstum von lediglich 0,5 Prozent gerechnet. Inzwischen erwartet die OECD ein Plus von 1,1 Prozent, der Internationale Währungsfonds sogar 1,3 Prozent. Auch die Stimmung unter den Unternehmen hat sich verbessert.

Österreich erholt sich langsam

In Österreich zeichnet sich nach zwei schwierigen Jahren ebenfalls eine vorsichtige Erholung ab. Die Wirtschaftsforschungsinstitute erwarten wieder Wachstum, allerdings nur in geringem Ausmass. Hohe Energiepreise bleiben ein Belastungsfaktor.

Hinzu kommt das weiterhin hohe Budgetdefizit, das den Spielraum für staatliche Investitionen einschränkt. Die Erholung bleibt damit fragil.

Schweiz mit deutlich besseren Aussichten

In der Schweiz haben sich die Prognosen im Laufe des Jahres ebenfalls deutlich verbessert. Im Juni ging das Staatssekretariat für Wirtschaft laut Video noch von einem Wachstum von 0,9 Prozent aus. Inzwischen liegt die Prognose bei rund 1,7 Prozent. Damit entwickelt sich die Schweizer Wirtschaft stärker als zunächst angenommen.

China wächst weiter

Noch deutlich höher sind die Wachstumsraten in China. Im ersten Quartal lag das Plus bei fünf Prozent, im zweiten bei 4,3 Prozent und im dritten bei 4,5 Prozent. Dabei wachsen mehrere Bereiche gleichzeitig: Bergbau, Strom-, Gas- und Wasserversorgung, Maschinenbau sowie die Hightech-Industrie. Auch die Produktion von 3D-Druckern, Lithium-Ionen-Batterien und Industrierobotern legt zu. China bleibt damit einer der wichtigsten Wachstumsmotoren der Weltwirtschaft.

Indien bleibt auf starkem Kurs

Auch Indien wächst weiter kräftig. Für den Zeitraum von März 2026 bis März 2027 wird ein Wirtschaftswachstum von rund sieben Prozent erwartet. Damit könnte Indien im kommenden Jahr zur viertgrössten Volkswirtschaft der Welt aufsteigen. Während viele westliche Volkswirtschaften mit schwachem Wachstum kämpfen, bleibt die Dynamik in Teilen Asiens deutlich höher.

Inflation bleibt das zentrale Problem

Die aktuelle Entwicklung der Verbraucherpreise zeigt, warum die Geldpolitik weiterhin vor einer schwierigen Aufgabe steht. In der gesamten EU lag die Inflation im September bei 3,8 Prozent. Für den Euroraum wurde derselbe Wert genannt. Der wichtigste Preistreiber waren erneut die hohen Energiepreise.

Deutschland: Höchste Inflation seit Ende 2023

In Deutschland lag die Inflationsrate im September bei 3,3 Prozent. Das war der höchste Wert seit Dezember 2023. Besonders deutlich stiegen die Energiepreise. Benzin kostete rund 37 Prozent mehr als ein Jahr zuvor, Heizöl sogar etwa 75 Prozent mehr. Die Energiekrise wirkt damit unmittelbar auf die Haushalte durch.

Österreich weiterhin über drei Prozent

Österreich lag im September bei einer Inflationsrate von 3,6 Prozent. Auch hier waren die Energiepreise der wichtigste Treiber. Laut Prognosen könnte es noch bis Mitte 2028 dauern, bis die Teuerung wieder nachhaltig in Richtung zwei Prozent zurückkehrt. Das würde bedeuten, dass auch die Geldpolitik noch längere Zeit mit erhöhtem Inflationsdruck umgehen muss.

Schweiz bleibt deutlich stabiler

Ganz anders präsentiert sich die Lage in der Schweiz. Dort lag die Inflation im September bei rund einem Prozent und damit auf demselben Niveau wie im Vormonat. Damit bleibt die Preisentwicklung deutlich stabiler als in Deutschland, Österreich oder dem restlichen Euroraum.

Fazit: Schwacher Goldmonat, starke langfristige Signale

Der Oktober war für Gold und Silber klar negativ. Hohe Ölpreise, hartnäckige Inflation und die Erwartung hoher Zinsen haben beide Edelmetalle belastet. Zusätzlich sorgte der Bankomat-Effekt für Verkaufsdruck.

Gleichzeitig bleiben einige langfristige Signale bemerkenswert stabil: Gold-ETFs verzeichnen weiter Zuflüsse, Zentralbanken kaufen und die strukturelle Nachfrage ist nicht verschwunden.

Auch die Weltwirtschaft zeigt ein gemischtes Bild. Europa erholt sich langsam, China und Indien wachsen weiterhin deutlich stärker, während Inflation und Energiepreise die grössten Risiken bleiben.

Sehen Sie jetzt das vollständige Oktober-Update auf philoro TV und erfahren Sie, warum Gold trotz hoher Nachfrage deutlich gefallen ist, weshalb Öl und Zinsen derzeit den Ton angeben – und welche Signale für die kommenden Monate entscheidend werden könnten.