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philoro FAKTENCHECK: Der CIA-Goldraub

Was ein Millionenbetrug über den Wert von Gold erzählt.

14. Oktober 2026

298 Goldbarren, Millionenbeträge in bar, Luxusuhren und Immobilien in Florida: Was wie die Handlung eines Agententhrillers klingt, soll sich tatsächlich innerhalb einer US-Bundesbehörde abgespielt haben. Ein hochrangiger Beamter soll Gold und andere Vermögenswerte über ein erfundenes Geheimprogramm abgezweigt haben.

Im neuen FAKTENCHECK von philoro TV geht es aber nicht nur um einen spektakulären Betrugsfall. Die Geschichte wirft auch eine interessante Frage auf: Warum spielt Gold ausgerechnet in Geheimdiensten, Krisengebieten und Extremsituationen seit Jahrzehnten eine besondere Rolle? Und was sagt der erfahrene Marktanalyst Greg Weldon über die weitere Entwicklung des Goldpreises?

Ein Geheimprogramm, das es nie gab

David Rush hatte laut US-Justizministerium eine Führungsposition bei einer Bundesbehörde und verfügte über eine hohe Sicherheitsfreigabe. US-Medien bringen ihn mit der CIA in Verbindung. Zwischen November 2025 und März 2026 soll Rush immer wieder Fremdwährungen und Goldbarren im Wert von zig Millionen US-Dollar für angeblich dienstliche Zwecke angefordert haben.

Dafür soll er unter anderem ein sogenanntes «Special Access Program» erfunden haben – ein besonders streng geheimes Programm, zu dem normalerweise nur ein kleiner Kreis Zugang hat. Das Entscheidende: Laut Gerichtsunterlagen konnte Rush seine Anforderungen praktisch selbst genehmigen. Später liess sich weder das Gold vollständig auffinden noch nachvollziehen, welchem dienstlichen Zweck es hätte dienen sollen.

298 Goldbarren im eigenen Haus

Am 19. Mai durchsuchte das FBI Rushs Haus im US-Bundesstaat Virginia. Dort fanden die Ermittler 298 Goldbarren, mehr als 2,1 Millionen US-Dollar sowie rund 100'000 Euro in bar. Dazu kamen zahlreiche Luxusuhren.

Doch das war nur ein Teil des mutmaßlich veruntreuten Vermögens. Weitere rund 145 Millionen US-Dollar soll Rush über eine eigens gegründete Firma in vier Luxusimmobilien in Florida investiert haben. Insgesamt beziffert das US-Justizministerium den Schaden auf rund 194 Millionen US-Dollar.

Zusätzlich soll Rush einem ausländischen Regierungsvertreter Informationen über eine geheime US-Quelle weitergegeben haben. Anfang Oktober bekannte er sich vor einem Bundesgericht in Virginia schuldig. Ihm drohen bis zu 20 Jahre Haft.

Warum ausgerechnet Gold?

Dass innerhalb einer Behörde Gold für dienstliche Zwecke angefordert werden kann, klingt zunächst ungewöhnlich. Historisch hat Gold allerdings genau dort eine besondere Funktion, wo klassische Zahlungswege nicht mehr funktionieren. Während des Zweiten Weltkriegs erhielten etwa Piloten und Fallschirmjäger der US-Streitkräfte sogenannte Escape-Kits. Darin befanden sich Goldmünzen, Goldringe und teilweise sogar Goldketten. Sollten Soldaten über feindlichem Gebiet abgeschossen werden, konnten sie das Gold nutzen, um Hilfe, Lebensmittel oder einen sicheren Weg aus dem Gebiet zu bezahlen. Der Grund ist einfach: Gold wird weltweit als wertvoll erkannt und benötigt weder ein Bankkonto noch ein funktionierendes Zahlungssystem.

Viel Wert auf erstaunlich kleinem Raum

Eine weitere Eigenschaft macht Gold für solche Situationen besonders geeignet: seine hohe Wertdichte. Die 298 Goldbarren aus dem Fall Rush haben laut Video zusammen ein Volumen von nur rund 14 Litern – ungefähr so viel wie ein grösserer Putzeimer. Der Unterschied: Dieser Eimer würde rund 270 Kilogramm wiegen.

Damit lässt sich ein enormer Wert auf sehr kleinem Raum speichern. Genau das ist einer der Gründe, warum Gold seit Jahrhunderten nicht nur als Schmuck oder Geldanlage, sondern auch als international akzeptierter Vermögensspeicher genutzt wird.

Zwischen 3'500 und 10'000 US-Dollar

Der ungewöhnliche CIA-Fall wurde unter anderem im Money-Metals-Podcast aufgegriffen. Zu Gast war der erfahrene Goldmarkt-Analyst Greg Weldon.

Weldon begann seine Karriere in den 1980er-Jahren im Gold- und Silberhandel an der New Yorker Terminbörse COMEX, arbeitete später unter anderem für Lehman Brothers und Hedgefonds und beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit den Edelmetallmärkten. Seine aktuelle Einschätzung wirkt auf den ersten Blick widersprüchlich: Langfristig hält er einen Goldpreis von 8'500 bis 10'000 US-Dollar innerhalb der kommenden ein bis drei Jahre für möglich. Kurzfristig sieht er allerdings erhebliche Korrekturrisiken.

Erst die Korrektur, dann der nächste Anstieg?

Weldons technische Analyse liefert derzeit Verkaufssignale. Er hält es für möglich, dass der Goldpreis zunächst noch einmal in den Bereich von 3'450 bis 3'500 US-Dollar zurückfällt.

Dabei erwartet er keine lineare Abwärtsbewegung, sondern eine Korrektur in drei Phasen: zuerst ein Rückgang, anschliessend eine Zwischenerholung und danach eine weitere Abwärtsbewegung. Trotzdem würde ein solcher Rücksetzer für ihn den langfristigen Aufwärtstrend nicht zerstören.

Genau deshalb hält er selbst wenig davon, Gold jetzt vorschnell zu verkaufen. Sein Argument: Wenn der Markt wieder dreht, kann die Bewegung sehr schnell ausfallen. Wer zuvor ausgestiegen ist, könnte Schwierigkeiten haben, zu ähnlich günstigen Preisen wieder einzusteigen.

Der Dollar belastet Gold kurzfristig

Den aktuellen Gegenwind für Gold erklärt Weldon vor allem mit dem US-Dollar. Die Renditen von US-Staatsanleihen sind stärker gestiegen als in vielen anderen Ländern. Dadurch wird der Dollar für internationale Anleger attraktiver und Kapital fliesst in die US-Währung.

Ein stärkerer Dollar belastet Gold häufig, weil das Edelmetall international in US-Dollar gehandelt wird. Kurzfristig können deshalb steigende Anleiherenditen und ein stärkerer Dollar auf dem Goldpreis lasten – selbst wenn sich an den langfristigen Argumenten für das Edelmetall wenig verändert.

Das «schwarze Loch» der US-Schulden

Langfristig sieht Weldon allerdings ein deutlich anderes Bild. Die USA stecken seiner Einschätzung nach in einem immer grösseren Schuldenproblem: mehr als 40 Billionen US-Dollar Staatsschulden und zusätzlich rund 20 Billionen US-Dollar Schulden der privaten Haushalte.

Weldon beschreibt diese Situation als schwarzes Loch, aus dem die Wirtschaft nicht mehr einfach durch stärkeres Wachstum herauskommen könne. Damit das System stabil bleibt, müsse immer wieder neue Liquidität bereitgestellt werden. Genau deshalb erwartet er, dass die US-Notenbank Fed langfristig eher höhere Inflation akzeptieren wird, als eine stark verschuldete Wirtschaft durch dauerhaft restriktive Geldpolitik in eine schwere Krise zu drücken.

Druck am Anleihemarkt statt am Goldmarkt?

Weldon beobachtet ausserdem die Aktivitäten der Fed und des US-Finanzministeriums genau. Er interpretiert den Kauf kurzlaufender Staatsanleihen durch die Fed und die stärkere Finanzierung über kurze Laufzeiten als eine Form indirekter monetärer Unterstützung. Das ist seine Interpretation – die Fed selbst bezeichnet diese Massnahmen nicht als klassisches Gelddrucken.

Für Weldon liegt das grössere systemische Risiko jedenfalls nicht beim Goldmarkt, sondern beim Anleihemarkt. Sollte es dort zu einem ernsthaften Schock kommen, könnte Gold zunächst ebenfalls fallen. In Krisen verkaufen Anleger oft zunächst jene Vermögenswerte, die schnell liquide gemacht werden können, um Bargeld zu beschaffen. Danach könnte sich das Bild aber drehen.

Warum ein Rücksetzer eine Chance sein könnte

Sollte ein grösserer Marktschock die Fed zu Zinssenkungen zwingen, wäre das aus Weldons Sicht ein besonders positives Umfeld für Gold. Genau deshalb betrachtet er einen möglichen Rückgang in Richtung 3'500 US-Dollar nicht automatisch als Ende der Gold-Rallye.

Die kurzfristige und die langfristige Prognose widersprechen sich also nicht zwingend. Sie beziehen sich lediglich auf unterschiedliche Zeiträume. Gold kann kurzfristig stark korrigieren und langfristig trotzdem in einem übergeordneten Aufwärtstrend bleiben.

Der Anlagehorizont entscheidet

Für Anleger ist deshalb vor allem eine Frage entscheidend: Wann wird das investierte Geld wieder benötigt? Wer Gold für viele Jahre hält und kurzfristig nicht verkaufen muss, kann grössere Schwankungen leichter aussitzen.

Wer dagegen zu einem bestimmten Zeitpunkt auf das Kapital angewiesen ist, muss stärker berücksichtigen, dass Gold zwischenzeitlich deutlich fallen kann. Genau deshalb kann es sinnvoll sein, eine Goldposition nicht auf einmal aufzubauen, sondern schrittweise. Regelmässige Käufe verteilen das Einstiegsrisiko auf verschiedene Kursniveaus. Eine Möglichkeit dafür ist etwa ein Edelmetallsparplan.

Gold ist kein Weg zur schnellen Million

Der Fall David Rush ist spektakulär – aber er steht genau für das Gegenteil dessen, wofür Gold für langfristig orientierte Anleger gedacht ist. Gold ist kein Instrument für schnelles Reichwerden. Sein Nutzen liegt vielmehr darin, Vermögen über längere Zeiträume zu diversifizieren und Kaufkraft abzusichern.

Kurzfristige Kursziele können spektakulär wirken. Ob Gold zunächst auf 3'500 US-Dollar zurückfällt oder irgendwann Richtung 10'000 US-Dollar steigt, lässt sich nicht zuverlässig vorhersagen. Entscheidender ist, mit welchem Zeithorizont man investiert und ob man Schwankungen aushalten kann.

Fazit: Viel Gold, zwei völlig verschiedene Geschichten

Der CIA-Fall zeigt eindrucksvoll, warum Gold selbst in einer digitalen Finanzwelt besondere Eigenschaften besitzt: Es ist kompakt, weltweit verständlich und unabhängig von Banknoten oder Zahlungssystemen. Die Marktanalyse von Greg Weldon zeigt gleichzeitig, dass genau diese Eigenschaften Gold nicht vor starken Kursschwankungen schützen.

Kurzfristig hält er eine deutliche Korrektur für möglich. Langfristig sieht er aufgrund der hohen US-Schulden, möglicher geldpolitischer Lockerungen und anhaltender Inflation weiterhin erhebliches Potenzial. Die wichtigste Erkenntnis lautet daher: Gold braucht Zeit.