zum Hauptinhalt springen
Zurück

philoro FAKTENCHECK: Papiergold

Papiergold unter Druck: Warum China den Goldmarkt neu ordnet.

5. Juli 2026

Die grösste Bank der Welt schränkt den Zugang zum Papiergold-Handel ein – und das könnte mehr bedeuten als nur eine Schutzmassnahme für Privatanleger. In China werden derzeit Entscheidungen getroffen, die den globalen Goldmarkt langfristig verändern könnten: Spekulative Goldkontrakte werden zurückgedrängt, während der physische Goldhandel erleichtert und ausgebaut wird.

Im neuen FAKTENCHECK von philoro TV geht es um die Frage, warum China den Handel mit Papiergold einschränkt, welche Rolle physisches Gold für die künftige Preisfindung spielen könnte und weshalb diese Entwicklung auch für Anlegerinnen und Anleger in Europa relevant ist.

China schränkt den Papiergold-Handel ein

Am 24. Juni hat die Industrial and Commercial Bank of China, kurz ICBC, angekündigt, das Papiergold-Trading für Privatkunden einzustellen. Ab dem 24. Juli können chinesische Bürgerinnen und Bürger über diese Bank nicht mehr auf den Goldpreis spekulieren. Der Zugang wird also abgeschaltet.

Die ICBC ist damit nicht allein. Zuvor hatten bereits die Postal Savings Bank of China und die Pingan Bank ähnliche Schritte gesetzt, im Juni folgte auch die China Guangfa Bank. Offiziell wird dieser Schritt damit begründet, dass Privatkunden vor hoher Volatilität geschützt werden sollen.

Doch die Entwicklung lässt sich auch anders lesen: Nicht der Handel mit Gold selbst wird eingeschränkt, sondern vor allem der spekulative Handel mit gehebelten Kontrakten. Physisches Gold kann in China weiterhin gekauft und verkauft werden.

Physisches Gold wird erleichtert, Spekulation begrenzt

Während der Papiergold-Handel eingeschränkt wird, arbeitet China gleichzeitig daran, den physischen Goldhandel zu erleichtern. Laut Video plant Peking eine Reform der Gold-Ein- und Ausfuhrregeln. Die chinesische Zentralbank soll dabei künftig weniger direkte Kontrolle über den grenzüberschreitenden Goldhandel ausüben, während die Zollbehörden mehr Verantwortung übernehmen.

Das Ziel: Der Handel mit physischem Gold soll entbürokratisiert und beschleunigt werden. Genau darin liegt die eigentliche Brisanz. China bremst nicht den Goldmarkt insgesamt, sondern unterscheidet klar zwischen Papiergold und echtem, physisch verfügbarem Gold.

Damit entsteht ein deutliches Muster: Spekulation wird zurückgedrängt, physische Lieferung wird gestärkt.

Warum Papiergold den Preis beeinflusst

Papiergold bezeichnet Ansprüche auf Gold, ohne dass dabei zwingend physisches Gold bewegt oder tatsächlich ausgeliefert wird. An grossen Handelsplätzen wie London oder der COMEX in New York wird täglich ein enormes Volumen an Goldkontrakten gehandelt. Der Grossteil davon sind Forderungen, Derivate oder Ansprüche – nicht Goldbarren, die real den Besitzer wechseln.

Das kann den Marktpreis beeinflussen. Denn wenn deutlich mehr Papieransprüche im Umlauf sind als tatsächlich Gold in den Tresoren liegt, wirkt das Angebot grösser, als es physisch ist. Je mehr «Zettel» auf Gold gehandelt werden, desto stärker kann der Preis durch Spekulation geprägt werden.

Genau hier setzt die chinesische Strategie an. Wenn Papiergold zurückgedrängt und physisches Gold gestärkt wird, könnte sich langfristig zeigen, wie hoch der Goldpreis ohne diese spekulative Schicht tatsächlich stehen würde.

Shanghai soll bei der Preisfindung mitreden

China verfolgt diesen Plan nicht erst seit gestern. Bereits 2014 machte der damalige Chef der Shanghai Gold Exchange deutlich, dass die Welt den wahren Goldpreis erst dann sehen werde, wenn China stärker an der Preisfindung beteiligt ist.

Seitdem arbeitet China daran, Shanghai als zentralen Handelsplatz für physisches Gold auszubauen. Während London und New York stark vom Papierhandel geprägt sind, soll Shanghai stärker auf tatsächlicher Lieferung basieren. Hongkong wiederum dient als Eintrittstor für ausländisches Kapital, da China selbst strenge Kapitalkontrollen hat.

Besonders deutlich wird dieser Anspruch beim Ausbau der Lagerkapazitäten in Hongkong. Diese sollen laut Video von rund 200 auf über 2'000 Tonnen erhöht werden – eine Verzehnfachung. Für einen reinen Papiermarkt wäre ein solcher Ausbau kaum nötig. Für einen Handelsplatz, der echte physische Lieferung ermöglichen will, ist er dagegen ein klares Signal.

Gold als Vertrauensanker für den Yuan

Hinter Chinas Goldstrategie steckt mehr als nur Marktpolitik. Langfristig geht es auch um Vertrauen in die eigene Währung. Der chinesische Yuan soll durch Gold einen stärkeren Vertrauensanker erhalten – ähnlich wie ihn der US-Dollar historisch einmal hatte.

Dazu passt, dass China seit Jahren grosse Mengen Gold kauft, seine Infrastruktur für physischen Handel ausbaut und gleichzeitig versucht, den spekulativen Einfluss auf den Goldpreis zu reduzieren. Der Goldmarkt wird damit zu einem strategischen Instrument in einem grösseren geopolitischen und währungspolitischen Spiel.

Für Anlegerinnen und Anleger bedeutet das: Was in China passiert, ist nicht nur ein lokales Regulierungsthema. Es könnte langfristig die globale Preisfindung im Goldmarkt verschieben.

Zentralbanken setzen weiter auf Gold

China ist nicht das einzige Land, das Gold eine grössere Rolle in der Zukunft zutraut. Auch andere Zentralbanken bauen ihre Goldbestände aus oder planen, ihre Reservestruktur stärker in Richtung Gold zu verändern.

Laut Video liegt der Goldanteil an den weltweiten Zentralbankreserven aktuell bei 26,6 Prozent und damit auf einem 30-Jahres-Hoch. Historisch ist dieser Wert jedoch noch weit von früheren Niveaus entfernt: 1980 lag der Anteil bei 62,4 Prozent.

Das zeigt: Trotz der starken Entwicklung der vergangenen Jahre ist Gold in den Reserven der Zentralbanken noch lange nicht so dominant wie in früheren Jahrzehnten. Gleichzeitig bleibt die Positionierung an den Terminmärkten vergleichsweise niedrig. Der Preis wirkt also gedrückt, während grosse institutionelle Käufer weiterhin engagiert bleiben.

Ist die aktuelle Schwäche eine Kaufgelegenheit?

Die aktuelle Preisschwäche muss nicht zwangsläufig das Ende der Goldgeschichte sein. Im Video wird unter anderem Brad Dunkley von Waratah Capital Advisors zitiert. Er sieht die Korrektur eher als Kaufgelegenheit denn als Warnsignal.

Seine Argumentation: Regierungen können sich eine echte Wirtschaftskrise aufgrund der hohen Schuldenlast kaum leisten. Statt die Zinsen dauerhaft konsequent hochzuhalten, könnten sie die Wirtschaft eher weiter stimulieren und neues Geld ins System bringen. Historisch war genau ein solches Umfeld oft positiv für Gold.

Damit rücken wieder die fundamentalen Argumente in den Vordergrund: hohe Staatsschulden, expansive Geldpolitik, Vertrauensverlust in Papierwährungen und die Suche nach realen Wertspeichern.

Fazit: China verfolgt einen langfristigen Plan

Die Einschränkung des Papiergold-Handels in China ist mehr als eine technische Regulierungsmassnahme. Sie passt in eine grössere Strategie: Spekulation soll begrenzt, physisches Gold gestärkt und die Rolle Chinas in der globalen Preisfindung ausgebaut werden.

Shanghai soll zu einem wichtigeren Handelsplatz werden, Hongkong baut seine Lagerkapazitäten massiv aus und der Yuan soll langfristig mehr Vertrauen gewinnen. Gleichzeitig bleiben Zentralbanken weltweit starke Goldkäufer, während die Positionierung an den Terminmärkten niedrig ist.

Die entscheidende Frage lautet daher: Sehen wir gerade nur eine kurzfristige Marktanpassung – oder den Beginn einer strukturellen Verschiebung weg vom Papiergold und hin zu echter physischer Preisfindung?

Sehen Sie jetzt den vollständigen FAKTENCHECK auf philoro TV und erfahren Sie, warum Chinas Schritt gegen Papiergold den globalen Goldmarkt langfristig verändern könnte.