Der neue CEO der Schweizerischen Post, Pascal Grieder, war zu Gast beim Efficiency Club in Zürich und gab in einem lebhaften Referat spannende Einblicke in seine Pläne für die Zukunft der Post. philoro hat den neuen Post-Chef für ein Interview getroffen. Pascal Grieder erklärt im Gespräch, welche Akzente im Post-Konzern setzen will und weshalb die Post und philoro besonders gut zusammenpassen.
Herr Grieder, Sie sind seit letztem November Konzernleiter der Schweizerischen Post. Wie ist Ihre Arbeit angelaufen?
Sehr gut, danke. Ich war viel unterwegs, habe zahlreiche Teams getroffen, viel gelernt und spannende Eindrücke gesammelt. Ich wollte die Post nicht nur aus Präsentationen kennenlernen, sondern auch aus dem Alltag mit den Herausforderungen und den Erfolgen der Teams. Ich habe Kolleginnen und Kollegen in den Sortierzentren, in Filialen, bei PostFinance und bei PostAuto besucht, war auf Zustelltour, auf Nachtschicht mit Swiss Post Cargo und habe zahlreiche Teams aus allen Funktionen und Bereichen getroffen. Überall spürt man, wie relevant die Post für die Schweiz ist – und auch wie dynamisch ihr Umfeld ist.

Pascal Grieder will das Kerngeschäft der Post stärken und in internen Bereichen einfacher und schneller werden.
Wo möchten Sie die strategischen Akzente für die Entwicklung der Post setzen?
Unser Ziel bleibt unverändert: Wir wollen auch in Zukunft relevant sein und einen spürbaren Mehrwert für unsere Kundinnen und Kunden schaffen. Um das zu erreichen, müssen wir uns kontinuierlich weiterentwickeln. Kundenbedürfnisse, Technologien und Märkte verändern sich laufend. Deshalb schärfen wir unsere Strategie und fokussieren uns auf drei Hebel: Wir stärken unser Kerngeschäft, wachsen fokussiert und werden in den internen Bereichen einfacher und schneller, indem wir unter anderem Prozesse vereinfachen und Technologien gezielt einsetzen.
«Überall spürt man, wie relevant die Post für die Schweiz ist.»
Die Post steht vor der Herausforderung, ihren öffentlichen Versorgungsauftrag zu erfüllen und gleichzeitig wirtschaftlich erfolgreich zu sein. Wo sehen Sie die grössten Hebel, um diese beiden Anforderungen miteinander zu verbinden?
Für mich sind das keine Gegensätze. Nur eine wirtschaftlich gesunde Post kann ihre Leistungen langfristig in hoher Qualität für die Schweiz erbringen. Zentral ist, dass wir nah bei unseren Kundinnen und Kunden bleiben und unsere Leistungen konsequent an ihren Bedürfnissen ausrichten. So bleiben wir relevant. Und Relevanz ist letztlich die Grundlage sowohl für einen starken Service public als auch für wirtschaftlichen Erfolg.
Welche Rolle spielt dabei das Filialnetz? Ist die physische Präsenz der Post in einer zunehmend digitalen Welt vor allem Kostenfaktor – oder kann daraus auch künftig ein strategischer Wettbewerbsvorteil entstehen?
Die Nähe zu den Kundinnen und Kunden ist eine zentrale Stärke der Post. Was die physischen Kontaktpunkte angeht, kann in der Schweiz kaum jemand mit uns mithalten. Dabei denke ich nicht nur an klassische Postfilialen – Partnerschaften ermöglichen uns beispielsweise längere Öffnungszeiten und zusätzliche Zugangspunkte. Diese Präsenz schafft Vertrauen, stärkt die Marke und eröffnet Chancen für zusätzliche Dienstleistungen. Gleichzeitig müssen wir das Potenzial unserer Filialen künftig noch besser nutzen. Die physische Präsenz bleibt deshalb ein wichtiger Wettbewerbsvorteil.

Die physische Präsenz durch die Postfilialen bleibt für Pascal Grieder ein wichtiger Wettbewerbsvorteil.
Die Post und philoro SCHWEIZ arbeiten im Bereich Edelmetall-Veranlagung zusammen. Kunden der Post können in über 250 Filialen der Post Anlageprodukte aus Edelmetallen bestellen oder Altgold zum Ankauf aufgeben. Was denken Sie, weshalb nimmt das Interesse an diesem Angebot immer mehr zu.
Viele Menschen suchen nach Möglichkeiten, ihr Vermögen breiter abzustützen. Gold wird dabei oft als werthaltige und langfristige Anlage wahrgenommen. Zusätzlich machen die hohen Goldpreise den Verkauf von Altgold für viele Kundinnen und Kunden attraktiv. Beides trägt dazu bei, dass die Nachfrage steigt.
Philatelie und Numismatik sind miteinander verwandt. Warum passen die Post und philoro besonders gut zusammen?
Ich sehe vor allem zwei Gemeinsamkeiten: Vertrauen und Beständigkeit. Wer Gold kauft, sucht Sicherheit und Verlässlichkeit. Für viele Menschen steht auch die Post genau dafür. Gleichzeitig verfügen wir, wie vorher erwähnt, über eine einzigartige Nähe zu unseren Kundinnen und Kunden. Diese Kombination macht die Zusammenarbeit aus meiner Sicht naheliegend.
«Vertrauen und Beständigkeit sind Gemeinsamkeiten für Gold und die Post.»
Sie haben es erwähnt: Sowohl bei der Post als auch beim physischen Gold spielt Vertrauen eine zentrale Rolle. Hat Vertrauen in einer zunehmend digitalen Welt aus Ihrer Sicht als Wettbewerbsvorteil sogar noch an Bedeutung gewonnen?
Ja, absolut. Vertrauen ist seit jeher die Grundlage unseres Geschäfts. Die Schweiz vertraut uns jeden Tag aufs Neue, Menschen, Güter, Daten und Gelder zuverlässig zu transportieren. Genau darin liegt die einzigartige Relevanz der Post. Dieses Vertrauen wollen wir auch in die digitale Welt überführen. Bereits heute verzeichnen wir mit der PostFinance App und der Post-App rund sieben Millionen digitale Interaktionen pro Woche. Das zeigt: Vertrauen ist nicht nur in der physischen Welt ein Wettbewerbsvorteil, sondern auch in der digitalen.
Welche Rolle könnte Ihrer Meinung nach Gold in einer modernen Wirtschafts- und Finanzwelt spielen?
Gold ist seit jeher Teil eines breit diversifizierten Anlageportfolios. Diversifikation hilft, Risiken breiter abzustützen. Gold spielt dabei eine besondere Rolle, weil es sich häufig anders entwickelt als andere Anlageformen. Genau deshalb ist es für viele Anlegerinnen und Anleger ein wichtiger Bestandteil ihrer Vermögensstrategie.

Im Austausch am Event des Efficiency Clubs: Tecla Solari (Head of Trusted Interaction Services & Member of the Executive Board bei der Post), Pascal Grieder (CEO Post), Alexander Nami (Head Business Development philoro) und Christian Iten (PR Mager philoro). (v.l.)
Gold gilt in der Schweiz gemäss der letzten Edelmetallstudie von philoro und der Universität St. Gallen als sehr sinnvolle Anlage. Was denken Sie: Warum besitzt Gold gerade in der Schweiz einen so hohen Stellenwert?
Gold gewinnt normalerweise in unsicheren Zeiten an Wert. Deshalb ist es insbesondere bei Anlegerinnen und Anlegern beliebt, die ein hohes Sicherheitsbedürfnis haben. Diese Eigenschaft würde ich den Schweizerinnen und Schweizern attestieren. Das dürfte ein Grund für den hohen Stellenwert von Gold in unserem Land sein.
Welchen Stellenwert hat Bargeld für Sie persönlich? Nutzen Sie mehrheitlich Bargeld oder bevorzugen Sie alternative Zahlungsmittel?
Ich benutze Bargeld seit vielen Jahren eigentlich gar nicht mehr und bin meistens ohne unterwegs.