Harte Zahlen sind noch rar, aber Anzeichen für eine wirtschaftliche Abkühlung gibt es. In der Schweiz sind die Konsumentenpreise in Folge der Ölpreis-Explosion im März nur leicht gestiegen, in der EU den USA aber deutlich. Die US-Wirtschaft war zuletzt widerstandsfähig. Allerdings verliert der Arbeitsmarkt an Dynamik. Analysten sehen auf lange Sicht einen steigenden Goldpreis. Wenn der Wert von Papiergeld sinkt, wird Gold attraktiv. Ein Ende des Irankriegs könnte zu einer neuen Rallye führen.
Die Schweizer Nationalbank (SNB) geht in einer aktuellen Stellungnahme ihres Präsidenten Martin Schlegl vor dem Hintergrund des Kriegs im Mittleren Osten für dieses Jahr von einem «gedämpften Wachstum» aus. In einem Interview mit der Tagesschau des SRF spricht der SNB-Präsident für 2027 von einer «gewissen Erholung». Der Inflationsdruck werde sich wegen der höheren Energiepreise kurzfristig verstärken, mittelfristig sei aber eine geringere Änderung zu erwarten.
SNB-Präsident Martin Schlegl rechnet dieses Jahr mit einem gedämpften Wirtschaftswachstum.
In dem Interview bekundete der Präsident die Bereitschaft der SNB am Devisenmarkt zu intervenieren, wenn dies die Preisstabilität erforderlich mache. Eine «rasche und übermässige Aufwertung» des Schweizer Franken solle jedenfalls vermieden werden, wird der SNB-Präsident zitiert.

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) will intervenieren, wenn in der Schweiz die Preise zu stark steigen.
Der Landesindex der Konsumentenpreise in der Schweiz ist im März 2026 im Vergleich zum März 2025 um 0,3 Prozent gestiegen. Gegenüber Februar 2026 ist es ein Anstieg von 0,2 Prozent. Das Bundesamt für Statistik führt den Anstieg unter anderem auf die höheren Preise für Heizöl und Pauschalreisen ins Ausland zurück. Ebenfalls gestiegen sind die Preise im Luftverkehr sowie Benzin und Diesel. Zurückgegangen sind die Preise für Hotellerie und Parahotellerie, auch für gemietete Autos und Carsharing.
In der EU ist die Inflation im März stark angestiegen
In der Europäischen Union ist das Wirtschaftswachstum – so wie in allen Regionen – vom Irankrieg beeinflusst. Aktuelle Prognosen für 2026 darüber, wie sich die Situation weiterentwickelt, liegen noch nicht vor. Im Euro-Raum liegt die Inflationsrate im März 2026 bei 2,6 Prozent (im Februar 1,9%). In der gesamten EU liegt der Wert im März bei 2,8 Prozent gegenüber 2,1 Prozent im Februar.

In der EU ist die Teuerung im März stark angestiegen auf 2,8 Prozent.
Wieder waren Dienstleistungen (+1,49 Prozentpunkte), Energie (+0,48 Prozentpunkte), sowie Nahrungsmittel, Alkohol und Tabak (+0,45 Prozentpunkte) die stärksten Preistreiber. Industriegüter ohne Energie sind um 0,13 Prozentpunkte teurer geworden.
Die US-Wirtschaft zeigte sich im ersten Quartal robust
Die US-Wirtschaft zeigt sich im Frühjahr 2026 insgesamt widerstandsfähig, wenn auch ohne starke Dynamik. Gemäss den jüngsten Daten des Bureau of Economic Analysis von Ende April wuchs das BIP im ersten Quartal 2026 annualisiert um rund 2,0 Prozent, nachdem im vierten Quartal 2025 lediglich etwa 0,5 Prozent erreicht worden waren. Getragen wurde diese Entwicklung vor allem von kräftigen Unternehmensinvestitionen – insbesondere im Technologie- und KI-Bereich – sowie von staatlichen Ausgaben. Der private Konsum entwickelte sich hingegen moderater, was darauf hindeutet, dass das Wachstum derzeit weniger breit abgestützt ist.
Im ersten Quartal erreichte das annualisierte BIP in den USA einen beachtlichen Wert von 2,0 Prozent.
Die Verbraucherpreise sind in den USA denn auch im März wieder stark angestiegen. Nach 2,4 Prozent im Januar und Februar betrug die Steigerung auf Jahresbasis 3,3 Prozent (seit Februar 2026 +0,9%). Hauptpreistreiber war der Energieindex, der um 12,5 Prozent über dem Vorjahreswert liegt. Der Benzinpreisindex ist allein im März gegenüber Februar um 21,2 Prozent gestiegen, Heizöl um 30,7 Prozent.

Wie lange brummt die Wirtschaft in den USA angesichts des gestiegenen Ölpreises noch?
Der Arbeitsmarkt präsentiert sich weiterhin robust, zeigt jedoch erste Zeichen einer Abkühlung. Gemäss den Daten des Bureau of Labor Statistics von Anfang April lag die Arbeitslosenquote im März bei rund 4,3 bis 4,4 Prozent. Gleichzeitig fiel das Beschäftigungswachstum zuletzt moderater aus als in den Vorjahren, und auch Indikatoren wie offene Stellen oder Neueinstellungen deuten auf eine nachlassende Dynamik hin.
US-Grossbank erwartet Goldpreis von 8'000 US-Dollar
Der Goldkurs steht auch ganz unter dem Eindruck des Geschehens an der Strasse von Hormus. Nach dem Rekordstand von Gold von 4'104.43 Franken am 28. Februar, dem letzten «Friedenstag» im Nahen Osten, fiel der Goldpreis zunächst am 27. März auf 3'505.85 Franken. Seitdem setzt sich eine gemässigte Aufwärtsbewegung fort, manche Analysten sprechen von einer typischen Seitwärts-Verschiebung.
Wegen des wieder steigenden Ölpreises durch die Unklarheit über die weiteren Öllieferungen scheint der Goldpreis auf den Märkten eher vorsichtig gehandelt zu werden. Die kommenden Wirtschaftsdaten in den USA könnten den Markt wieder beeinflussen.
Analysten prognostizieren, dass die Goldpreis-Rallye nach dem Ende des Irankriegs zurückkommt.
Eine Reuters Umfrage vom 27. April berichten von der Anhebung der jährlichen Goldpreisprognosen bei Analysten. «Die starke Nachfrage der Zentralbanken und die wirtschaftliche Unsicherheit dürften die Risken durch die steigende Inflation und die restriktive Geldpolitik aufgrund des Nahostkonflikts ausgleichen», heisst es wörtlich in dem Bericht.
Die Umfrage wurde in den vergangenen drei Wochen bei 31 Analysten und Händlern durchgeführt und ergab für das Frühjahr 2026 eine mittlere Goldpreisprognose von 4'916 US-Dollar pro Unze. Man erwartet, dass die Rallye nach einer Beilegung des Nahostkonflikts wieder Fahrt aufnehmen werde.

Verlieren klassische Währungen an Wert, weichen Anleger auf das beständige Edelmetalle Gold aus.
Die amerikanische Grossbank Wells Fargo nennt in einem aktuellen Analysepapier 8'000 US-Dollar je Unze als denkbares Ziel 2027, zu Jahresende 2026 könnten 6'000 oder 6'100 Dollar erreicht werden. Begründet werden diese Analysen mit der zunehmenden Verschuldung zahlreicher Industriestaaten und der Absicht, der Entwertung des Papiergeldes mit festen Goldpreisen zu begegnen.
So hat etwa die Staatsverschuldung der USA Anfang dieses Jahres den Rekordwert von 39 Billionen Dollar überschritten, die Schuldenquote des Landes liegt bei 120 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Die Ratingagentur Moody´s, die das Rating der USA im Vorjahr von Aaa auf Aa1 herabgesetzt hat, rechnet bis 2035 mit einer Schuldenquote von 134 Prozent.
Noch schlechter ist die Situation Japans. Die Schuldenquote Japans hat 2025 rund 206,5 Prozent betragen, 2026 wird mit 204,3 Prozent gerechnet. Da rund 80 Prozent der japanischen Staatsanleihen im Inland gehalten werden, ist die Währungskrise grenzüberschreitend weniger von Bedeutung.
Viele Zentralbanken kaufen aus strategischen Gründen nach wie vor in hohem Tempo Gold.
Der Anreiz für Zentralbanken Gold zu kaufen, meinte ein zitierter Analyst, sei stärker denn je – der Nahostkonflikt habe die «Verwundbarkeit von Dollaranlagen» gezeigt. Mittlerweile liegen die Gesamtzahlen für den Goldtransfer 2025 vor. 2025 hatten Zentralbanken weltweit 36'535 Tonnen Gold in ihren Beständen. Die USA 8'133,5 Tonnen, Deutschland 3'350,3 Tonnen, der Internationale Währungsfonds 2'842 Tonnen, Italien 2'451,8 Tonnen, Frankreich 2'437 Tonnen, Russland 2'326,52 Tonnen, China 2'307,5 Tonnen, die Schweiz 1'039,9 Tonnen, Indien 880'3 Tonnen und Japan 846 Tonnen. (Österreich besitzt unverändert 280 Tonnen Gold).
Größter Zukäufer waren 2025 Polen mit 102 Tonnen, Kasachstan mit 57 Tonnen, Brasilien mit 42,8 Tonnen, China mit 26,8 Tonnen und die Türkei mit 26,1 Tonnen. Mexico hat 2025 0,17 Tonnen Gold verkauft, Russland 8,22 Tonnen, Ghana 11,93 Tonnen und Singapur 26,4 Tonnen.

Die weltweite Goldnachfrage stieg im ersten Quartal dieses Jahres auf 1'231 Tonnen.
Die weltweite Goldnachfrage stieg im ersten Quartal gegenüber dem Vorjahr um 2 Prozent und erreichte 1'231 Tonnen, wie die Branchenorganisation World Gold Council (WGC) berichtet. Stark zum Zuwachs beigetragen haben die Käufe von Münzen und Barren. Insgesamt belief sich die Nachfrage in diesem Bereich auf 474 Tonnen (+42 %). Es ist das zweitstärkste je gemessene Quartalsergebnis. Die Käufe von Gold-ETFs setzten sich im 1. Quartal fort (+62 Tonnen), jedoch mit geringerer Dynamik als im Vorjahresquartal.
Die Zentralbanken kauften im ersten Quartal 244 Tonnen Gold (+3 %). Der Trend der Zentralbanken ist nicht einheitlich. In einem separaten Report weist das WGC aus, dass beispielsweise Russland und die Türkei in jüngster Zeit Gold verkauften. Analysten sind sich einig, dass die kaufenden Zentralbanken aus strategischen Gründen zu langfristigen Käufern gehören. Länder, die verkaufen, tun dies aus einem gewissen Zwang. Russland trennt sich von Gold, um den Ukraine-Krieg zu finanzieren. Die Türkei hat aufgrund von Liquiditäts- und Währungsdruck in letzter Zeit Gold abgestossen.
Zum Schluss ein Gedanke zu einem anderen aktuellen Thema, das aber eben auch mit Wirtschafts- und Finanzstabilität zu tun hat: In letzter Zeit frage ich mich, ob die Führungskräfte von grossen KI-Unternehmen die Literatur von Johann Wolfgang von Goethe lesen. Genauer, ob sie die Ballade zum Zauberlehrling verstanden haben. «Herr, die Not ist gross! Die ich rief, die Geister werd’ ich nun nicht los», heisst es da. Selten wurde technologische Hybris präziser verdichtet als in diesem Satz.
Umso bemerkenswerter ist eine aktuelle Warnung des Internationalen Währungsfonds. Der IWF sieht in dem vom US-Start-up Anthropic entwickelten KI-Modell «Mythos» ein potenzielles Risiko für die Stabilität des Finanzsystems. In dem Beitrag, an dem unter anderem IWF-Finanzdirektor Tobias Adrian mitwirkte, ist von «aussergewöhnlichen Cyberfähigkeiten» die Rede. Besonders alarmierend sei, dass die Software Sicherheitslücken «in jedem grossen Betriebssystem und Webbrowser» identifizieren und ausnutzen könne – selbst dann, wenn sie von Personen ohne besondere technische Kenntnisse bedient werde. Ein Satz, der aufhorchen lassen sollte.
Denn genau darin liegt die eigentliche Gefahr moderner Technologie: Nicht in ihrer Existenz, sondern in ihrer Demokratisierung. Wenn Machtmittel, die einst Experten vorbehalten waren, plötzlich jedermann zur Verfügung stehen, verschiebt sich das Verhältnis zwischen Kontrolle und Kontrollverlust.
Goethes Zauberlehrling war schliesslich ebenfalls kein Meister. Genau das machte ihn gefährlich.
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine Woche voller Fortschritt mit Augenmass – denn nicht jede technische Möglichkeit muss am Ende auch entfesselt werden.
Mit goldenen Grüssen
Christian Brenner
Zum Autor
Christian Brenner, Geschäftsführer philoro SCHWEIZ AG
Christian Brenner hat Publizistik und Kommunikationswissenschaften studiert und ist seit 2017 Geschäftsführer des inhabergeführten Familienunternehmens philoro sowie Verwaltungsrat der philoro Global Trading, der philoro North America und der philoro International Holding. Zuvor hatte er 2011 bis 2019 als Geschäftsführer der philoro EDELMETALLE GmbH in Deutschland agiert. Er war in den vergangenen Jahren zudem Gastreferent an der Universität St.Gallen (HSG) und ist Mitglied mehrerer Handelsausschüsse der IHK. Seit November 2024 ist Christian Brenner österreichischer Honorarkonsul für die Kantone St.Gallen und beide Appenzell.