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philoro FAKTENCHECK: Goldpreis im Krieg

Warum der Markt anders reagiert als erwartet.

11. März 2026

Militärische Konflikte sorgen an den Finanzmärkten meist für Nervosität – und viele Anleger erwarten automatisch steigende Goldpreise. Doch die Realität sieht häufig anders aus: Trotz eskalierender geopolitischer Spannungen kann der Goldpreis sogar fallen.

Im aktuellen Video von philoro TV erklärt Moderator Joachim Brandl, warum Gold in Kriegszeiten nicht immer sofort neue Höchststände erreicht und welche Faktoren tatsächlich über die langfristige Preisentwicklung entscheiden.

Warum steigt Gold im Krieg nicht immer?

In der öffentlichen Wahrnehmung gilt Gold als klassischer „sicherer Hafen“ in Krisenzeiten. Tatsächlich reagiert der Markt jedoch oft komplexer. Kurzfristige Kursbewegungen werden nicht allein durch geopolitische Ereignisse bestimmt, sondern auch durch Erwartungen, Liquidität und makroökonomische Faktoren.

Im Video werden drei zentrale Gründe erklärt, warum Goldpreise in Konflikten häufig anders reagieren als viele Anleger erwarten.

Grund 1 – „Buy the rumor, sell the fact“

Finanzmärkte handeln in erster Linie Erwartungen über die Zukunft. Oft wird eine geopolitische Krise bereits Wochen oder Monate vorher in den Preis eingerechnet.

Wenn der Konflikt schließlich tatsächlich ausbricht, ist die Überraschung für den Markt bereits verarbeitet – und Anleger beginnen Gewinne mitzunehmen.

Historische Beispiele zeigen dieses Muster deutlich:

  • Golfkrieg 1990/91: Gold stieg vor Beginn der militärischen Operation stark an, fiel jedoch unmittelbar nach Kriegsbeginn.

  • Irakkrieg 2003: Trotz militärischer Eskalation blieb eine große Goldrallye aus, da der Konflikt lange erwartet worden war.

  • Ukraine-Krieg 2022: Gold stieg zunächst deutlich, geriet später jedoch durch steigende Zinsen und einen starken US-Dollar unter Druck.

Grund 2 – Die Liquiditätsfalle der Märkte

In großen Krisen geraten häufig auch Aktienmärkte stark unter Druck. Institutionelle Anleger müssen Verluste ausgleichen oder sogenannte Margin Calls bedienen.

In solchen Situationen wird Gold häufig verkauft – nicht weil Anleger das Edelmetall für unattraktiv halten, sondern weil es besonders liquide und schnell handelbar ist. Gold fungiert in solchen Momenten als „Kasse“ des Marktes.

Diese Dynamik war bereits während der Finanzkrise 2008 sowie beim Beginn des Ukraine-Krieges zu beobachten.

Grund 3 – Kriege wirken meist nur kurzfristig

Historisch betrachtet haben geopolitische Konflikte oft nur kurzfristige Auswirkungen auf den Goldpreis.

Sobald der erste Schock verarbeitet ist, richtet sich der Fokus der Märkte wieder auf fundamentale Faktoren wie:

  • Zinspolitik der Zentralbanken

  • Inflation und Geldmenge

  • Staatsverschuldung

  • Stärke des US-Dollars

Langfristige Goldbewegungen entstehen daher meist nicht durch militärische Ereignisse selbst, sondern durch deren wirtschaftliche Folgen, etwa steigende Energiepreise oder zunehmende Staatsausgaben.

Der langfristige Treiber des Goldpreises

Auch wenn geopolitische Krisen kurzfristige Ausschläge verursachen können, wird die langfristige Entwicklung des Goldpreises vor allem durch makroökonomische Faktoren bestimmt.

Viele Experten gehen davon aus, dass strukturelle Entwicklungen wie steigende Staatsverschuldung oder expansive Geldpolitik langfristig zu einem schwächeren US-Dollar führen könnten – ein Umfeld, das Gold historisch begünstigt.

Für langfristige Anleger bleibt Gold daher vor allem eines: eine Versicherung gegen Kaufkraftverlust und monetäre Instabilität.

Fazit: Gold ist kein Schlagzeilen-Trade

Die Geschichte der Finanzmärkte zeigt deutlich: Gold reagiert zwar kurzfristig auf Krisen, doch seine wahre Stärke entfaltet das Edelmetall über lange Zeiträume.

Für Anleger bedeutet das:

  • Kurzfristige Schwankungen sind normal

  • Geopolitische Ereignisse erzeugen meist nur temporäre Effekte

  • Entscheidend bleibt der langfristige Schutz der Kaufkraft

Physisches Gold wird daher weniger als kurzfristiges Spekulationsinstrument betrachtet – sondern als strategischer Bestandteil eines stabilen Portfolios.

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