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philoro FAKTENCHECK: US-Arbeitsmarkt

862'000 Jobs verschwunden: Platzt gerade die Statistik-Blase?

22. Februar 2026

Während Gold und Silber aktuell in einer Seitwärtsbewegung konsolidieren, spielt sich im Hintergrund eine Entwicklung ab, die für Edelmetallanleger weit bedeutender sein könnte als jede kurzfristige Preisschwankung. Es geht um nichts Geringeres als die Glaubwürdigkeit der offiziellen US-Arbeitsmarktdaten.

In der aktuellen Ausgabe des philoro FAKTENCHECKs analysiert Moderator Joachim Brandl eine spektakuläre Revision des US-Arbeitsministeriums: 862'000 gemeldete Jobs wurden nachträglich aus der Statistik gestrichen. Damit handelt es sich um die grösste Abwärtskorrektur seit der Finanzkrise 2009 – und um die zweitgrösste Revision in der Geschichte der Aufzeichnungen.

Monatelang wurde von einem robusten Arbeitsmarkt gesprochen. Nun zeigt sich: Die tatsächliche wirtschaftliche Dynamik war deutlich schwächer. Im Jahr 2025 entstanden im Durchschnitt nur rund 15'000 neue Jobs pro Monat – für eine Volkswirtschaft wie die USA faktisch Stagnation.

Warum diese Revision für Goldanleger entscheidend ist

Arbeitsmarktdaten gehören neben Inflation, Realzinsen und Dollarentwicklung zu den wichtigsten Einflussfaktoren für Gold- und Silberpreise. Eine schwächere Wirtschaft erhöht den Druck auf die US-Notenbank, die Zinsen zu senken, um Wachstum zu stabilisieren.

Und genau hier liegt der entscheidende Punkt: Sinkende Zinsen reduzieren die Attraktivität zinstragender Anlagen und schwächen in der Regel den US-Dollar. Historisch betrachtet profitieren Edelmetalle von genau diesem Umfeld. Wenn Anleger weniger Rendite auf Dollar-Anlagen erhalten, steigt die Nachfrage nach alternativen Wertspeichern wie Gold und Silber.

Trotz der aktuellen Konsolidierung bleibt das Fundament stark: Gold notiert 2026 bislang rund 15 Prozent im Plus, auf Zwölfmonatssicht sogar über 70 Prozent. Die jüngste Atempause ändert nichts an der strukturellen Stärke.

Kevin Warsh und das Schuldenproblem der USA

Mit Kevin Warsh übernimmt ein neuer Fed-Chef die Verantwortung – oft als geldpolitischer «Falke» beschrieben. Doch die Realität könnte ihn zu einer anderen Strategie zwingen.

Die US-Staatsverschuldung liegt inzwischen bei 38,7 Billionen Dollar, Prognosen sehen bis 2030 einen Anstieg auf über 50 Billionen Dollar. Bereits heute zählen Zinszahlungen zu den grössten Posten im Staatshaushalt.

In einem solchen Umfeld werden dauerhaft hohe Zinsen kaum tragbar sein. Ein mögliches Instrument: sogenanntes «Zinsstrukturkurven-Management». Dahinter verbirgt sich letztlich eine Form von Quantitative Easing – die Notenbank kauft Staatsanleihen, um Zinsen künstlich niedrig zu halten. Die Folge wäre eine Ausweitung der Geldmenge und potenziell eine weitere Schwächung des Dollars.

Ein schwächerer Dollar wirkt traditionell preistreibend für Gold.

Minenaktien holen auf – Hebelwirkung auf Gewinne

Besonders spannend ist derzeit die Entwicklung bei Gold- und Silberminen. Der Philadelphia Gold and Silver Index beginnt, die Edelmetallpreise deutlich zu übertreffen. Während Gold im Jahresvergleich rund 70 Prozent zugelegt hat, stiegen Minenwerte teils um 150 Prozent.

Der Grund liegt in der Hebelwirkung der Gewinnmargen. Steigt der Silberpreis beispielsweise von 30 auf 35 Dollar, entspricht das einem Preisanstieg von rund 16 Prozent. Wenn die Produktionskosten jedoch bei 20 Dollar liegen, erhöht sich der Gewinn von 10 auf 15 Dollar – ein Plus von 50 Prozent. Preissteigerungen wirken sich somit überproportional auf die Profitabilität der Minenunternehmen aus.

Sollten sich die aktuellen Preisniveaus halten oder weiter steigen, könnten bevorstehende Quartalsberichte positive Überraschungen liefern.

Fazit: Arbeitsmarkt, Dollar und Edelmetalle im Spannungsfeld

Die massive Revision der US-Arbeitsmarktdaten wirft Fragen zur wirtschaftlichen Stabilität auf. Gleichzeitig wächst der Druck auf die Geldpolitik, in einem Umfeld hoher Staatsverschuldung und abkühlender Konjunktur gegenzusteuern.

Für Edelmetallanleger entsteht daraus ein klares Bild: Schwächere Wirtschaftsdaten, potenziell sinkende Zinsen und ein unter Druck geratener Dollar bilden historisch ein konstruktives Umfeld für Gold und Silber. Parallel dazu profitieren Minenunternehmen überproportional von steigenden Preisen.

Welche Dynamik sich daraus in den kommenden Monaten entwickelt, analysieren wir ausführlich im aktuellen Video von philoroTV.