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philoro FAKTENCHECK: Wer ist Kevin Warsh?

Wird der neue Fed-Chef die Unabhängigkeit der Federal Reserve verteidigen?

25. Februar 2026

Im Mai endet die Amtszeit von Fed-Chef Jerome Powell – nach Monaten massiver öffentlicher Kritik durch US-Präsident Donald Trump. Die Debatte um Zinspolitik, Inflation und Notenbank-Unabhängigkeit hat die Märkte verunsichert – und dem Goldpreis zuletzt zusätzlichen Rückenwind verliehen.

Nun rückt ein Name in den Mittelpunkt: Kevin Warsh.

Die entscheidende Frage lautet: Wird er die Unabhängigkeit der Federal Reserve verteidigen – oder sich stärker an den politischen Entwicklungen ausrichten? Und was könnte das für Gold und Silber bedeuten? philoro FAKTENCHECK klärt auf!

Warum die Unabhängigkeit der Fed so wichtig ist

Die Federal Reserve soll unabhängig von der Regierung agieren. Doch in den vergangenen Monaten geriet Jerome Powell zunehmend unter Druck, da die Zinspolitik aus Sicht des Weissen Hauses zu restriktiv war.

Die Folge:

  • Öffentliche Kritik und persönliche Angriffe

  • Ermittlungen im Zusammenhang mit Fed-Ausgaben

  • Wachsende Zweifel an der institutionellen Stabilität

Für die Märkte bedeutet das vor allem eines: Unsicherheit. Und Unsicherheit ist traditionell ein Treiber für Gold.

Wer ist Kevin Warsh?

Kevin Warsh (55) ist Ökonom, Stanford-Professor und ehemaliger Investmentbanker bei Morgan Stanley. Von 2006 bis 2011 war er Mitglied im Board of Governors der Federal Reserve – und erlebte die Finanzkrise 2008 aus nächster Nähe.

Bemerkenswert: Warsh trat 2011 zurück, weil ihm die expansive Geldpolitik der Fed zu weit ging. Er galt lange als geldpolitischer «Falke» – also als Befürworter höherer Zinsen und einer restriktiveren Notenbankbilanz.

Sein Profil:

  • Inflationsbekämpfung priorisiert

  • Skeptisch gegenüber Quantitative Easing

  • Befürworter «quantitativer Straffung» (Liquiditätsentzug)

Doch zuletzt zeigte Warsh politische Flexibilität.

Kurswechsel oder Pragmatismus?

Im Herbst veröffentlichte Warsh einen Gastbeitrag im Wall Street Journal, in dem er eine lockerere Zinspolitik forderte und Deregulierungsmassnahmen lobte. Beobachter sprechen von einem bemerkenswerten Kurswechsel. Manche bezeichnen ihn als «Chamäleon», andere sehen darin strategischen Pragmatismus.

Die Kernfrage lautet: Wird Warsh ein unabhängiger Notenbankchef – oder ein politischer Kompromisskandidat?

Warshs möglicher Mittelweg

Analysen deuten darauf hin, dass Warsh einen hybriden Ansatz verfolgen könnte:

  • Zinssenkungen, um die Wirtschaft zu stimulieren

  • Reduktion der Anleihekäufe, um Inflation zu bremsen

  • Weniger Forward Guidance, also weniger langfristige Zinsprognosen, um flexibler reagieren zu können

Wichtig: Die Fed entscheidet nicht alleine durch den Vorsitzenden. Zwölf stimmberechtigte Mitglieder bestimmen die Geldpolitik – eine institutionelle Absicherung der Unabhängigkeit.

Was bedeutet das für Gold?

Die Auswirkungen auf Edelmetalle hängen massgeblich von drei Faktoren ab:

  • Zinsen: Hohe Zinsen wirken tendenziell belastend für Gold. Sinkende Zinsen stärken das Edelmetall.

  • Dollar-Vertrauen: Sollte die Fed als politisch beeinflussbar wahrgenommen werden, könnte das Vertrauen in den US-Dollar weiter sinken – ein klassisches Umfeld für steigende Goldpreise.

  • Strukturelle Faktoren: Selbst ein neuer Fed-Chef ändert nichts an der hohen US-Staatsverschuldung, geopolitischen Spannungen, globaler Entdollarisierung und Handelskonflikten.

Diese Faktoren haben zuletzt zunehmend Einfluss auf Gold genommen – teils stärker als die Zinspolitik selbst.

Zwischenfazit: Noch ist Warsh eine Variable

Kevin Warsh gilt als erfahren, marktnah und institutionell verankert. Gleichzeitig bleibt offen, welchen Kurs er tatsächlich einschlagen wird.

Kurzfristig könnte es:

  • zu Zinssenkungen kommen

  • zu Spannungen zwischen Weissem Haus und Fed

  • oder zu einem pragmatischen Mittelweg

Gold bleibt damit in einem strukturell unterstützenden Umfeld – unabhängig davon, wen den Fed-Vorsitz übernimmt.

Fazit: Gold reagiert auf Vertrauen – nicht nur auf Zinsen

Die Diskussion um Kevin Warsh zeigt vor allem eines: Geldpolitik ist Vertrauenspolitik. Sollte die institutionelle Stabilität der US-Notenbank weiter infrage stehen, könnte das Edelmetallen zusätzlichen Rückenwind verleihen. Gleichzeitig bleiben Zins- und Inflationsdaten entscheidend. Die kommenden Monate werden zeigen, ob Warsh als stabilisierende Figur wirkt – oder neue Volatilität in das System bringt.