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Die Goldene Stunde: Neue Krisenherde befeuern Edelmetall-Kurse

Die Zollsenkung für Exporte in die USA hellt die Stimmung in der Schweiz auf. Neu aufflammende geopolitische Spannungen lassen Anleger in Edelmetalle als sicheren Hafen fliehen.

7. Januar 2026

Der Zoll-Deal zwischen der Schweiz und den USA ist noch nicht unter Dach und Fach. Gemäss den neusten Konjunkturprognosen aus dem Dezember hellt sich die Stimmung in der Wirtschaft aber auf. Europas Industriebetriebe bleiben unter Druck, auch weil sie wegen Kursverlusten des US-Dollars mit teureren Exporten rechnen müssen. Mit Verzögerung meldet die USA ein solides Wirtschaftswachstum. Mehre Faktoren, darunter neu aufflammende geopolitische Spannungen, lassen Anleger in Edelmetalle als sicheren Hafen fliehen.

In der Schweiz sieht die Konjunkturprognose der Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich (KOF) für 2025 ein reales sportbereinigtes Wirtschaftswachstum von 1,4 Prozent, dann einen Rückgang 2026 auf 1,1 Prozent und einen neuerlichen Anstieg 2027 auf 1,7 Prozent. Vor allem die handelspolitische Einigung mit den Vereinigten Staaten im November habe eine Stabilisierung der Konjunkturaussichten ermöglicht, heisst es in der Prognose, die aber auf die weiterhin grosse Unsicherheit in der wirtschaftlichen Entwicklung hinweist. Die Aussichten der Binnenkonjunktur bleiben gedämpft, die Investitionstätigkeit sei im laufenden Jahr von Zurückhaltung geprägt gewesen. Der private Konsum habe sich als zuverlässige Stütze der Konjunktur bewiesen. Das Wirtschaftsforschungsinstitut BAK Economics erwartet für 2026 nur 0,9 Prozent Wachstum, economiesuisse sieht für 2026 1,0 Prozent BIP-Zunahme.

Eine Frau beim Kleiderkauf in einer Boutique.

In der Schweiz erweist sich der private Konsum einmal mehr als Stütze für die Konjunktur. 

Der Landesindex der Konsumentenpreise ist im November um 0,0 Prozent gestiegen. Gegenüber Oktober bedeutet das einen Rückgang um 0,2 Prozent. Die Preise in der Hotellerie und für Pauschalreisen ins Ausland sind gesunken, auch die Preise für neue Autos und Fruchtgemüse. Gestiegen sind die Wohnungsmieten und die Preise für Heizöl und Flugtickets.

Europas Industriesektor bleibt unter Druck

Die Europäische Kommission sagt in ihrer Herbstprognose für den Euro-Raum ein BIP-Wachstum 2026 von 1,4 Prozent voraus (1,3% 2025). In der Gesamt EU-Raum sollte das Wachstum mit 1,4 Prozent gleichbleiben wie 2025.

Das Beratungshaus Berenberg sieht die europäische Industrie unter Druck: Ihr weht «der Wind aus Übersee stark ins Gesicht», heisst es im Dezemberbericht für Anleger. Die Exporte in die USA und China gingen zurück, die weitere Entwicklung hänge daher vom Binnenwachstum ab. Aufgrund der Zinssenkungen der EZB und der deutschen fiskalischen Massnahmen rechnet man für Europa mit 1,2 Prozent Wachstum im kommenden Jahr. Deutschland werde allerdings mit 0,8 Prozent plus diesen Wert nicht ganz erreichen.

Ein Arbeiter in der Metallindustrie.

Die europäische Industrie muss sich bei erschwerten Bedingungen gegen die US-Konkurrenz behaupten. 

Nach Mitteilung von Eurostat, dem statistischen Amt der EU, liegt die jährliche Inflationsrate im November mit 2,4 Prozent (Oktober 2,5%) und im Euro-Raum mit 2,1 Prozent unverändert gegenüber Oktober. Im Euro-Raum werden Dienstleistungen mit plus 3,5 Prozent, gefolgt von Lebensmitteln, Alkohol und Tabak mit plus 2,2 Prozent, Industriegütern ohne Energie plus 0,5 Prozent als die höchsten Anstiegsursachen genannt, während Energie in der EU um minus 0,5 Prozent dämpfend wirkte. Bezüglich gesamtjähriger Teuerung sagt die EU für 2025 eine Inflationsrate von 2,5 Prozent, für 2026 2,1 Prozent und 2027 2,2 Prozent voraus. Im Euro-Raum liegen die Werte mit 2,1 Prozent, 1,9 Prozent und 2,0 Prozent etwas niedriger.

USA verlautet mit Verzögerung starkes BIP-Wachstum

Der letzte, langdauernde US-Shutdown hat die Ergebnisanalysen des Bureaus of Economic Analysis einigermassen durcheinandergewirbelt. Die erwarteten Ergebnisse der Wirtschaftsentwicklung im dritten Quartal konnten nicht wie geplant am 30. Oktober veröffentlicht werden, sondern mussten bis knapp vor Weihnachten auf die Bekanntgabe warten.

Umso erfreulicher für Amerikas Wirtschaft die jetzt veröffentlichten Daten. Im dritten Quartal ist die US-Wirtschaft um 4,3 Prozent (nach 3,8 Prozent im zweiten Quartal) gewachsen. Es ist dies das höchste Wachstum seit zwei Jahren. Analysten waren in ihren Prognosen von nur 3,3 Prozent Wachstum von Juli bis September ausgegangen.

«Die US-Wirtschaft strotzt vor Stärke», zitiert die angesehene Frankfurter Allgemeine Zeitung den Chefvolkswirt einer Privatbank, der weiter meint, «zollbedingte Belastungen und der schwächere Arbeitsmarkt scheinen eine Randnotiz zu sein».

Die Freiheitsstatue in New York.

Laut dem Bureau of Economic Analysis ist die USA mit rekordhohen Wachstumszahlen wirtschaftlich auf Siegeskurs. 

Auch wenn Beobachter ein schwächeres viertes Quartal erwarten, geht man bei Analysten davon aus, dass auch ein schwächeres viertes Quartal ein Jahreswachstum 2025 von 2,0 Prozent oder mehr zulassen wird. Das sieht auch die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung OECD in einer aktualisierten Analyse so. Für 2026 erwartet sie 1,7 Prozent Wachstum.

Keine gute Nachricht für Europas Exporteure sind die Voraussagen, die nach den Zinssenkungen der US-Notenbank Fed und der Schwäche von US-Schuldverschreibungen mit neuerlichen Kursverlusten der amerikanischen Währung und damit teureren Exporten rechnen müssen.

Die Inflation in den USA war im November mit 2,7 Prozent tiefer als von Analysten erwartet.

Der Inflationsdruck in den USA hat im November überraschend deutlich nachgelassen. Nach aktuellen Zahlen des Bureaus of Labor Statistics (BLS) in Washington erhöhten sich die Verbraucherpreise gegenüber dem Vorjahr um 2,7 Prozent. Analysten hatten mit einem Anstieg von 3,1 Prozent gerechnet. Die Kerninflation belief sich im November auf 2,6 Prozent. Da schwankungsanfällige Energie- und Lebensmittelpreise ausgeklammert werden, gilt sie als verlässlicherer Massstab für die zugrunde liegende Inflationsdynamik.

Mehrere Faktoren führen zu Traum-Renditen bei Edelmetallen

Dieses Mal war das Jahresende für die Rohstoffpreise äusserst spannend. Die dringendste Frage in Anlegerkreisen war wohl, ob es Gold nach seiner beispiellosen Herbst-Rallye gelingen werde, den Rekordpreis von 4'365.50 US-Dollar am 25. Oktober noch einmal zu erreichen oder sogar zu übertreffen. Nach einer Schwächephase von Ende Oktober und dem Absacken des Kurses auf unter 4'000 US-Dollar am 5. November ist der Kurs wieder kräftig gestiegen. Am 28. Dezember um 23.00 Uhr erreichte er einen neuen Rekord von 4'534.17 US-Dollar, dann sackte der Kurs (wohl durch Gewinnmitnahmen ausgelöst) innerhalb von 24 Stunden um ein Minus von 202.47 US-Dollar wieder ab. Zum Jahreswechsel nahm Gold wieder Fahrt auf und endete mit einer satten Jahresperformance von je nach Quelle knapp 47 Prozent.

Die weitere Zuspitzung des USA-Venezuela-Konflikts unterstützt die Aufwärtsbewegung beim Goldpreis.

Zur Jahresend-Rallye dürften auch die zunehmenden geopolitischen Spannungen zwischen Venezuela und den USA beigetragen haben. Zunächst hatte die USA Venezuelas Öltanker blockiert. Wie wir aber heute wissen, kam es später zur Entführung und Verhaftung von Venezuelas Staatspräsident Nicolás Maduro.

Bei J.P. Morgan rechnet man mit einem Anhalten des Anstieges des Goldpreises. Aktuelle Strategien der Zentralbanken und Investoren sollten zu einem Anstieg auf 5'000 US-Dollar bis Ende 2026 führen.

Da weitere Zinssenkungen der US-Notenbank Fed erwartet werden, ist Gold als «sicherer Hafen» für Anleger natürlich weiterhin eine interessante Anlageform. Auch die weitere Entwicklung der Aktienmärkte ist volatil und die Daten über Arbeitsmarkt und Inflation in den USA lassen noch keine langfristige Tendenz erkennen.

Verschiedene Faktoren können zu einem weiteren Anstieg oder auch zu einer Abwärtsbewegung des Goldkurses beitragen. Geopolitisch bedeutsam ist sicher die weitere Entwicklung beim USA-Venezuela-Konflikt und ein möglicher Fortschritt bei den Friedensbemühungen im Ukraine-Krieg. Auch andere Krisenherde spielen eine Rolle, wie zum Beispiel die amerikanische Militär-Intervention gegen den Islamischen Staat in Nigeria, der Konflikt zwischen China und Taiwan, die Spannungen rund um Südkorea oder die Situation in Israel und Palästina.

Gold und Silberbarren von philoro.

Sowohl Gold als auch Silber haben den Anlegern im Jahr 2025 Traum-Renditen beschert.

Auch der Silberpreis hat sich nach einem Einbruch zu Beginn des Dezembers wieder erholt und lag zum Monatsende mit dem Rekordkurs von 75.30 US-Dollar (bzw. 59.49 Franken) pro Feinunze um 156,47 Prozent über dem Vorjahreskurs. Wie verschiedene Medien korrekterweise berichteten, hat Silber im 2025 Gold bezüglich Rendite deutlich übertrumpft.

Auch Platin erfreut sich über eine atemberaubende Rendite. Platin hatte sich nach einem kurzen Einbruch nach dem 23. November wieder erholt und lag kurz vor Jahresende mit 2'453 US-Dollar pro Feinunze (bzw. 1'662.70 Franken) um fast 140 Prozent über dem Vorjahreskurs.

Neben dem steigenden Gold- und Silberpreis hat auch der Wert von Platin in letzter Zeit stark zugenommen.

Dass in der Schweiz nicht nur Werte geschaffen, sondern auch Werte wortwörtlich unter unseren Füssen geborgen werden, zeigen die Edelmetall-Studien von philoro und der Universität St.Gallen (HSG). Demnach besitzen die Schweizerinnen und Schweizer physisches Gold im Umfang von Hunderten von Tonnen – und erstaunlich – jeder Zwanzigste vergräbt sein Edelmetall buchstäblich im eigenen Garten.

Dies illustriert eine tiefe, beinahe instinktive Beziehung zu Gold. Es ist nicht bloss ein Finanzprodukt, sondern ein persönlicher Anker für Sicherheit, Stabilität und Vertrauen – und manchmal sogar ein geheimer Schatz im eigenen Grund und Boden. Diese Haltung zwischen weiser Vorsorge und gelebter Vertrautheit macht Gold nicht nur zu einer extrem begehrten Anlageform, sondern zu einem Symbol für einen besonderen Wert in unsicheren Zeiten.

Ich wünsche Ihnen eine Woche mit sicher gelagerten Entscheidungen.

Mit goldenen Grüssen

Christian Brenner

Zum Autor

Christian Brenner, Geschäftsführer philoro SCHWEIZ AG

Christian Brenner hat Publizistik und Kommunikationswissenschaften studiert und ist seit 2017 Geschäftsführer des inhabergeführten Familienunternehmens philoro sowie Verwaltungsrat der philoro Global Trading, der philoro North America und der philoro International Holding. Zuvor hatte er 2011 bis 2019 als Geschäftsführer der philoro EDELMETALLE GmbH in Deutschland agiert. Er ist zudem als Gastdozent an der Universität St. Gallen (HSG) tätig und Mitglied mehrerer Handelsausschüsse der IHK.