Haben Sie sich schon einmal geärgert, zu wenig Gold gekauft zu haben? Dann stellen Sie sich vor, Sie hätten Gold besessen – und es genau zum falschen Zeitpunkt verkauft.
Der neue FAKTENCHECK von philoro TV zeigt einige der schlechtesten Gold- und Asset-Deals der jüngeren Geschichte – mit erstaunlichen Parallelen bis in die Gegenwart.
Wenn Staaten zu schlechten Anlegern werden
An den Finanzmärkten gibt es Gewinner – und Verlierer. Und manchmal zählen ausgerechnet Staaten zu den grössten Verlierern.
Das Video zeigt eindrucksvoll:
Selbst Regierungen mit Zugang zu Beratern, Daten und Experten sind nicht davor gefeit, historisch schlechte Timing-Entscheidungen zu treffen. Besonders dann, wenn politische Ziele, kurzfristige Stabilität oder falsche Annahmen über Märkte dominieren.
Zwangsverkauf mit bitterem Nachgeschmack
Während der Grossen Depression zwang die US-Regierung ihre Bürger, Anlagegold zu einem fixen Preis von 20,67 US-Dollar pro Unze an den Staat zu verkaufen. Schmuck war ausgenommen, Verstösse wurden hart bestraft.
Kurz darauf setzte der Staat den Goldpreis neu fest: 35 US-Dollar pro Unze. Ein staatlicher Buchgewinn von rund 70 Prozent - finanziert durch die privaten Goldbesitzer.
Ein frühes Beispiel dafür, wie Goldbesitz politisch zur Zielscheibe werden kann.
Kanada – der Verzicht auf Gold
Kanada ist heute der einzige G7-Staat ohne nennenswerte Goldreserven. In den 1990er- und 2000er-Jahren entschied man sich bewusst gegen Gold:
zu volatil
zu günstig
keine Zinsen, dafür Lagerkosten
Stattdessen setzte man auf zinstragende Assets. Damals nachvollziehbar – im Rückblick jedoch eine Entscheidung, die angesichts der späteren Goldpreis-Explosion teuer wurde.
Browns Bottom – Mieses Timing trifft schlechte Umsetzung
Ende der 1990er beschloss der britische Finanzminister Gordon Brown, rund 395 Tonnen Gold zu verkaufen – etwa die Hälfte der britischen Reserven.
Die Fehler:
Verkauf am 20-Jahres-Tief des Goldpreises
Öffentliche Ankündigung der Verkaufspläne
Auktionen in Tranchen – Markt ging short
Ergebnis:
Verkaufspreis: Ø 275 US-Dollar pro Unze
Erlös: rund 3,5 Mrd. US-Dollar
Heute wären dieselben 12,7 Millionen Unzen über 63 Milliarden US-Dollar wert. Der Begriff Browns Bottom ging nicht ohne Grund in die Finanzgeschichte ein.
Gegenargumente – und warum sie Freunde des Goldes nicht überzeugen
Befürworter argumentieren, Grossbritannien habe mit dem Erlös Schulden reduziert und Zinsen niedrig gehalten – ein kurzfristiger Nutzen für die Wirtschaft.
Doch aus Sicht langfristiger Wertstabilität bleibt:
Der Staat tauschte dauerhaften realen Wert gegen temporäre finanzpolitische Entlastung.
Deutschland 2024: Wiederholt sich Geschichte?
Auch in jüngster Zeit zeigt sich, wie teuer staatliches Timing sein kann:
Verkauf von knapp 50'000 beschlagnahmten Bitcoin
Erlös: 2,6 Mrd. Euro
Verkaufspreis: ca. 53'000 Euro je Bitcoin
Heute:
Bitcoin über 70'000 Euro
Rekord: 106'000 Euro
Begründung damals: Schutz vor möglichem Wertverlust.
Ergebnis: entgangene Milliarden.
Was Anleger daraus lernen können
Die Lehre aus all diesen Beispielen ist unbequem – aber klar:
Perfektes Timing gelingt selten
Kurzfristige Sicherheit kostet langfristigen Wert
Reale Werte entfalten ihre Stärke über Zeit
Gold (und auch Bitcoin) belohnen keine Nervosität, sondern Durchhaltevermögen. Wer zu früh verkauft, zahlt oft den höchsten Preis.
Ihre Meinung zählt
Sind diese Entscheidungen nachvollziehbar – oder klassische Beispiele staatlichen Marktversagens? Diskutieren Sie mit uns in den Kommentaren unter dem Video oder schreiben Sie an [email protected].