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philoro FAKTENCHECK: Der Crash

Gold & Silber Crash: Manipulation oder gesunde Korrektur?

12. Februar 2026

Gold und Silber sind zuletzt stark unter Druck geraten. In vielen Medien war sogar von einem „historischen Absturz“ die Rede. Doch was ist tatsächlich passiert?

In diesem Video ordnen wir die jüngsten Kursbewegungen nüchtern ein. Wir zeigen, welche Rolle steigende Margin-Anforderungen im Futures-Handel gespielt haben, warum hoch gehebelte Positionen aufgelöst wurden – und weshalb eine heftige Korrektur nach einer aussergewöhnlichen Rallye nicht ungewöhnlich ist.

Handelt es sich um den Beginn eines neuen Abwärtstrends? Oder erleben wir lediglich eine technische Bereinigung im Markt?

Was ist passiert?

Während die Preise fielen, haben die grossen Player ihre Wetten gegen den Markt geschlossen und Gewinne mitgenommen. Gleichzeitig wurden spekulative Long-Positionen – also die Wetten auf steigende Kurse, zur Kapitulation gezwungen. Hohe Hebel und automatische Stopp-Loss-Orders haben den Absturz wie ein Brandbeschleuniger verstärkt. Die CME Group hat die Margin-Regeln im US-Futures-Handel angepasst. Statt fixer Beträge gelten nun prozentuale Margins, die sich direkt am Goldpreis orientieren. Und genau diese Prozentsätze wurden zuletzt mehrfach angehoben.

Das bedeutet: Marktteilnehmer müssen deutlich höhere Sicherheitsleistungen hinterlegen. Für viele spekulative Trader wurde der Handel damit schlicht zu teuer. Die Folge ist ein klarer Rückzug aus dem Gold- und Silber-Futures-Markt.

Showdown an der COMEX

Um zu sehen, wie ernst die Lage wirklich ist, müssen wir zur COMEX in Chicago schauen – dem Hauptschauplatz der Papiergold-Preise.

Im Januar 2024 wurden an der COMEX 6,8 Millionen Unzen Silber physisch ausgeliefert. Im Januar 2026 waren es unglaubliche 49,4 Millionen Unzen. Im Februar sehen wir bereits, dass fast 98 % des sogenannten Open Interest physisch ausgeliefert wurden. Normal sind 5 bis 10 %.

Der kritische Punkt: Für den März-Kontrakt steht ein Open Interest von über 400 Millionen Unzen im Raum. Das ist die Hälfte der gesamten Weltjahresproduktion an Silber! Dem gegenüber stehen nur etwa 100 Millionen Unzen Silber, die bei der COMEX als „Registered“, also sofort lieferbar, gemeldet sind. Selbst wenn nur ein Viertel der Kontrakte auf physische Auslieferung besteht, ist das unmöglich realisierbar. Am 27. Februar ist also der D-Day. Wenn die COMEX dann nicht liefern kann, droht ein Force Majeure – ein Ausfall wegen höherer Gewalt. Und das wäre der totale Vertrauensverlust in den Papiermarkt.

Wie geht es weiter?

Es sieht so aus, als würde man mit aller Macht versuchen, den Preis bis zum Liefertermin am 27. Februar unten zu halten, um die „Cash Settlements“ – also Entschädigungen in bar statt in Metall – so günstig wie möglich zu gestalten. Doch die Realität lässt sich nicht ewig unterdrücken. In China zahlen Käufer bereits riesige Aufschläge, weil sie wissen: Papier kann man drucken, Silber muss man schürfen. Samsung drosselt sogar schon die Produktion, weil einfach das Silber für Chips fehlt. Wir erleben also gerade das Ende der Preisfindung durch Papierkontrakte im Westen.

Ob wir nun eine längere Seitwärtsphase sehen oder der Markt durch den physischen Engpass im März explodiert, bleibt also abzuwarten.